USA kreuz und quer

Modern Musclecar Wars

Coole Namen, alte Zeiten und Power für das Volk

Es scheint wie aus einem Land vor langer Zeit und genau so ist es auch, die Musclecarwars in den USA der 60er. Die großen Drei von Ford, General Motors und Chrysler überboten sich förmlich mit immer mehr PS, mit immer mehr Hubraum und mit immer wilderen Ideen. Wer braucht schon Bremsen die größer als eine Teetasse sind oder Sicherheitsgurte wenn man „Shaker Hoods“ und Rennstreifen haben kann?! Das ging so lange gut bis in den 70ern plötzlich die Spielverderber mit ihrer Ölkrise, ihrem Umweltschutz und ihren Sicherheitsbedenken um die Ecke kamen. Die Zeit in der sich Autohersteller wie Kinder auf dem Markt austobten konnten schien für immer verloren zu sein. 

 

Zeitsprung ins Jahr 2018. Die ganze Welt ist besetzt von blumigen Elektroträumen und grünen Ökophantasien. Im grünsten aller weltverbessernden Länder gibt es sogar die mehr als zweifelhaften Dieselfahrverbote. Doch ist es wirklich die ganze Welt? Nein! Ein gar nicht mal so kleines Land von unbeugsamen Cowboys hört nicht auf den Langweilern Widerstand zu leisten. 

 

Während bei uns also Downsizing und alternative Antriebskonzepte die Schlagzeilen beherrschen, während man bei drei Zylindern problemlos noch einen abschaltet, um ein paar Tropfen des wertvollen Benzins zu sparen, werden „in good old America“ die PS Zahlen plötzlich vierstellig. Man muss sie natürlich nicht mögen, die wilden, bösen Männerautos (oder böse Mädchen Autos), deren V8 Klang dem laktosefreien Feministen aus dem Nachbarbungalow sein glutenfreies Müsli im Halse stecken bleiben lässt. Selbiger mag sich wohl wundern und bestenfalls kopfschüttelnd ein „die Amis werden wohl nie erwachsen“ murmeln und damit hat er sogar recht: Die werden wohl wirklich nie erwachsen und das ist auch gut so! Auf allerlei „besser Leben“ Seiten versichert man uns doch immer wieder, dass wir nicht unser inneres Kind verlieren sollen und in den Vorstandsebenen der Amis sind die inneren Kinder zurück und toben wilder wie jemals zu vor herum, um unsere Autoleben wieder bunt und granatenstark zu machen. 

 

Fangen wir doch einfach mal bei den Namen an. In Deutschland fährst du einen 3er oder eine C-Klasse, im besten Fall hat dein Auto vielleicht einen Namen bei dem du keine Ahnung hast was er bedeutet oder was bitte ist ein Meriva oder ein Arteon? Die Japaner und andere Europäer sind da auch nicht viel besser. I-MiEV meets RCZ. Technologie meets Marketingdeutsch. Aber bei den Amis weiß man was man bekommt. Ich fahre einen Mustang, das ist doch mal eine Ansage! Vielleicht wird aus dem Mustang ja sogar ein Shelby, gut, da weiß man im ersten Moment auch nicht was das ist aber der Name eines Rennfahrers in Verbindung mit dem bösen Schlangenlogo lässt keinen Raum für Kritik. Bullitt und Boss treffen auf Mach 1. Alles Mustang Namen und unter der Haube schlummert der Coyote. Das ist der Motorenname des 5.0 V8. Coyote ist doch mal eine coole Bezeichnung und dazu gibts die Badges mit dem heulenden Kojoten für den Kühlergrill. Selbst die besten Motoren anderer Länder haben meist nur Namen für die man beim „auswendig lernen“ in der Schule Fleißsternchen bekommen hätte wie z.B. der RB26DETT (der zugegebenermaßen sehr gelungene Nissan Skyline GT-R Motor). Der aufgepimpte Coyote im Shelby 350GT heisst übrigens Voodoo, man darf also magische Momente erwarten. Doch mit seinen 450 PS im aktuellen Mustang GT geht der Krieg der Muskeln ja heute erst los. Dodge hat mit dem Hellcat (aktuell 717 PS) und dem Demon (840 PS) die Messlatte schon fast lächerlich hoch gesetzt. Letzterer ist sogar das schnellste Serienfahrzeug auf der Viertelmeile (9,65 Sekunden), schöne Grüße zu den millionenschweren Supersportlern aus Europa. Der Demon kostet übrigens eigentlich nur ca. 85.000 Dollar in den USA. Ein Schnäppchen also, allerdings ein schnell ausverkauftes und sicher bald im Wert explodierendes Schnäppchen. Aber kein Grund zur Traurigkeit, im Notfall kann man sich ja auch mit dem neuen Challenger Hellcat Redeye mit „nur 808 PS“ zufrieden geben. Wo Höllenkatzen mit roten Augen auf Dämonen treffen, da ist es einfach coole Halloween Werbevideos zu drehen, wie bei Dodge gerade geschehen. 

 

Doch damit ist bei den aktuellen Musclecarwars noch lange nicht Schluss, Schluss ist dafür mit allerlei Hexenwerk. Denn der bekannte Tuner Hennessey schickt seinen Camaro „Exorcist“ ins Rennen und mit 1000 PS stellt der Cam derzeit definitiv klar, wo der Hexenhammer hängt. Allerdings muss man als Mustang und Dodge Fahrer nicht gleich in Panik ausbrechen, denn nur 100 Exorzisten sollen pro Modelljahr die Straßen vom Bösen befreien.

Bevor die Umweltschützer unter meinen Lesern jetzt Schnappatmung bekommen, entkrampft euch doch einfach alle mal und freut euch, dass es überhaupt noch Hersteller gibt, die bezahlbare Superpower mit kindlicher Freude und coolen Namen auf die Straße bringen. Lange wird es das nicht mehr geben und dann werden Pferdestärken und dicke Maschinen nur noch den oberen Zehntausend vorbehalten sein. 

Und eine gute Nachricht gibt es ja obendrein auch noch. Natürlich fahren all diese Autos nicht nur mit Luft und Liebe und wie man so schön sagt, Spaß kostet eben. Aber wenn wir z.B. nochmal den Mustang nehmen, so ist er z.B. sogar von der sogenannten Gas Guzzler Tax, also der Spritsäufer Steuer ausgenommen. Letztere zeigt, dass auch die USA gegen heftige Umweltverschmutzung mit dicken Strafen vorgehen, kostet sie doch zwischen 1000 und knapp 8000 Dollar. Nicht so z.B. beim Coyote Motor im Mustang. In meinem eigenen 2013ner GT leistet der Motor knapp 430 PS und ich habe ihn schon auf Langstrecke mit unter 10 Litern gefahren, das nenne ich mal ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Meine Alltagskarre aus Deutschland mit modernem 1,6 Liter Turbo-Ökopupser  braucht grade mal 2 Liter weniger. Noch Fragen?

Also lasst den Krieg der Musclecars noch ein bisschen weiter gehen und jetzt ist es ohnehin wieder an Ford, einen drauf zu legen. Der neue Shelby GT500 steht schon in seinen Startlöchern und wir sind gespannt wie er sich im höllischen Duell von Hennessey und Dodge positioniert! 

Text: Andreas Leffler Bilder: FCA US, Hennessy Performance, Asphalthelden



Das Buch zur Reise quer durch die USA
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Mein erstes Tuningtreffen in den USA! Bericht damals für den Blog von Ap Sportfahrwerke!


Die 50. SEMA in Las Vegas. Bericht bei Ap Sportfahrwerke erschienen.