Gastkommentare

Asphalthelden besteht schon längst nicht mehr nur aus unserem Andi, sondern aus vielen treuen Seelen, Helfern und inzwischen natürlich auch Vereinsmitgliedern. Diese bekommen hier ihren eigenen Auftritt für lustige, nachdenkliche oder auch informative Geschichten aus dem automobilen Alltag.


Der Deutsche und sein Auto

Beobachtung eines Vielfahrers

Ein Auto im fließenden Verkehr zu bewegen bedeutet noch lange nicht dieses auch zu beherrschen. Die Verkehrsregeln, sowie die Kontrolle über sein Vehikel zu haben, ist vermutlich eine aussterbende Kunst. Als „Vielfahrer“ mit doch mehr als 100.000 Kilometern pro Jahr erlebt man quer durch Europa immer wieder die seltsamsten Verhaltensweisen.

„Der Deutsche“ ist allerdings ein ganz besonderes Wesen. Gefühlte achtzig Prozent dieses Völkchens glaubt von sich selbst überdurchschnittlich gut zu fahren, im Alltag spiegelt sich dies jedoch nur gering wieder. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus ist es leider so, dass ich selbst auf einer relativ leeren Autobahn alle fünf Minuten einen groben Fehler sehe und allerspätestens alle 30 Minuten jemanden der es gerade noch so schafft weder sich noch andere Verkehrsteilnehmer ins Jenseits zu befördern. Mal ganz abgesehen von den Leuten welche sich grundsätzlich an gar nichts halten. Sind ja alles eher Richtlinien.... oder? Auf der A96 aus München raus Richtung Lindau im 60/80er Bereich ist man ein Verkehrshindernis und wird aggressiv von LKW und Co abgedrängt, wenn man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Abstand? Kenn ich nicht... Erst heute hat mich ein grauer BMW auf der B2 rechts Überholt (im 50er Bereich) und dabei die Baustelle, welche mit Licht und Schild angekündigt war, übersehen. Beim folgenden Kontrollverlust hätte er beinahe noch den Arbeiter in orange samt dessen Sprinter gerammt und dies nur um ein Auto weiter vorne die selbe Geschwindigkeit wie alle weiter zu fahren. Die 20 Auto davor sind schließlich auch nicht schneller gewesen aber er dachte mit Sicherheit vorher, es wäre eine gute Idee denn „die Anderen“ können ja alle nicht fahren. Ohne ESP hätte ihn dieses Manöver sehr viel Geld gekostet und jemanden unbeteiligten das Leben. Vermutlich war das der ausschlaggebende Grund, weshalb ich heute diese Zeilen schreibe. Dabei wollte ich einfach mal die typischen Verkehrsteilnehmer aufzählen, die einem Vielfahrer wie mir täglich begegnen. Nehmt es nicht zu ernst obwohl es ein ernstes Thema ist, ich habe es mit einem Augenzwinkern geschrieben, hoffe aber, dass es vielleicht doch den ein oder anderen zum nachdenken anregt!

 

Der „Ich fahre ja schon 20 zu schnell“ Blockierer

Stets aggressiv verteidigt dieser Verkehrsteilnehmer seine Position auf der linken Spur. Der bloße Gedanke daran, ein anderer könnte schneller fahren als man selbst, macht ihn wahnsinnig. „Der spinnt doch“ ist nur

der Anfang einer langen Diskussion im genannten Fahrzeug. Nachgeben ist keine Option denn „er“ und nur „er“ legt fest wie viel „zu schnell“ im Rahmen des erträglichen liegt.

 

Der „Die anderen sind alle nur zu dumm“ Besserwisser

Wer kennt es nicht? Man rollt in seiner Spur und die andere fährt. Dumm nur, wenn man in der „Geradeausspur“ fährt und abbiegen möchte. Welch ein Frevel sich wie alle anderen anzustellen, wenn man

doch ganz vorne stehen bleiben kann, um beide Spuren zu blockieren, denn wenn die anderen Bremsen ist das ja nicht mein Problem.

 

Der „Angstbremser“

Jedes mal wenn man an einem „festen“ Radargerät vorbei fährt, gibt es immer einen der eh schon langsamer fährt als die erlaubte Höchstgeschwindigkeit aber trotzdem vor Schreck (Der Blitzer stand aber gestern ganz sicher noch nicht da) voll in die Bremse tritt. Mit 20 in der 60er Zone „Puh, gerade nochmal Glück gehabt“

 

Der „rechte Winkel“ Ausfahrer

Dieses Modell eines Harakiri-Piloten versucht mit aller Gewalt, egal ob Autobahn oder mehrspurige Landstraße, die Ausfahrt im absolut perfekten 90° Winkel abzuschließen. Die Herausforderung dabei ist es

möglichst weit links zu fahren und dann so spät wie möglich die maximale Anzahl von „fast Unfällen“ mitzunehmen. Das Überfahren des durchgezogenen Striches ist vermutlich Grundvoraussetzung.

 

Der „In der Mitte fühle ich mich am wohlsten“ Schleicher

Der allseits beliebte Mittelspurschleicher, wer kennt ihn nicht. Aber auch diese Variante kann man noch steigern. Der Deutsche ist hierbei absoluter Spitzenreiter, wenn es darum geht so zeitig wie möglich in die Mittelspur zu gelangen, egal wie langsam man im Vergleich zum nachfolgenden Verkehr ist. Beim Ausfahren kombinieren diese dann den Mittelspurschleicher gerne mit dem „rechten Winkel“. Kein Schuldbewusstsein, kein Verständnis für den Straßenverkehr.

 

Der „Unentschlossene“

Ja mei, dann ist er schon mit Harakiri in die Ausfahrt gebrettert aber dummerweise muss er da gar nicht hin!!!!! Und Zack ist man wieder auf der Mittelspur um festzustellen man hätte da doch raus müssen. Ich

meine, die 400 Meter auf dem Standstreifen rückwärts bringen ja keinen um, oder? Wenn doch nur jemand endlich mal etwas erfinden würde, auf dem steht wo die Ausfahrt hin führt oder gar ein Gerät welches

einem mitteilt mit lieblicher Stimme ins Ohr flüstert: „In 3 Kilometern die Ausfahrt Richtung Buxdehude nehmen, in einem Kilometer die..., jetzt die Ausfahrt nehmen.... Wäre das nicht toll?!

 

Der „Schnittfahrer“

Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist auf Langstrecke entscheidend wann man ankommt. Doch haben dies nicht alle ganz richtig verstanden. Denn wer auf der Landstraße 60 Km/h fährt bei erlaubten 100 ist ein

Verkehrshindernis. Doch um diese Variante perfekt zu machen fährt man in der Ortschaft dann auch 60 Km/h, egal ob 30er Zone oder nicht. Der Schnitt muss schließlich erhalten bleiben....

 

Der „Kuschelige“

Eine besonders beliebte Variante bei SUV Fahrern. Sie haben dich ganz doll lieb und wollen es dir mit Nähe zeigen, denn nur wenn du die Nummer des CE Zeichen seines Scheinwerfers im Rückspiegel klar und deutlich lesen kannst, ist es nah genug. Nachts besonders schön kombiniert mit den neuen und unglaublich hellen LED Scheinwerfern welche ja genau auf Höhe deines Rückspiegels verbaut sind... Aber überholen geht auf keinen Fall, schließlich wollen sie die herzliche Wärme deiner Abgase spüren. Ist Liebe nicht schön?

 

Der „Wenn ich nix sehe, kommt auch keiner“ Attentäter

Beschreibt sich eigentlich selbst. In Deutschland ausgebildete Selbstmordattentäter welche hinter jeder Kurve nur darauf warten ohne jede Beschleunigung an drei LKW vorbei zu schleichen. Einer der häufigsten Todesursachen auf deutschen Straßen, aber wehe man fährt 10 Km/h zu schnell....

 

Der „Wenn ich Blinke habe ich Vorfahrt“ Oberlehrer

Selbst unter Berufskraftfahrern und Busfahrern ein weit verbreitetes Phänomen dessen Herkunft nicht zu erklären ist. Blinker raus, rüber ziehen und gut ists! Wo haben diese Leute so etwas gelernt? In der Fahrschule sicher nicht!

 

Da ich beruflich auch weiterhin noch viele hunderttausend Kilometer abspulen werde, befürchte ich, dass eine Fortsetzung folgen wird

Text: Florian Kößler

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