Wolfsburger Jugendträume

VW Beetle Cabrio 1,2 TSI

3 Jahre Dauertest

Kaum ein Fahrzeug, wenn man vielleicht vom Porsche 911 absieht ist so stark als deutsches Kulturgut in die automobile Geschichte eingegangen wie der Käfer. Ein Erfolgsmodell sondergleichen welches von 1938 bis 2003 gebaut wurde, wenn auch eine lange Zeit in Mexiko. Um ehrlich zu sein, war ich nie ein großer VW Fan aber am Käfer kommst du einfach nicht vorbei. Doch dann, Öl auf das Feuer meiner VW Zweifel, der New Beetle überrascht uns in den Neunzigern mit dem für mich schlimmsten Design einer ganzen Dekade. Mein Vorurteil, VW kann Technik und brave deutsche Zurückhaltung aber eben nicht hübsch und cool, schien bestätigt. Das galt zumindest so lange bis der 2011 der Beetle erschien, der jetzt zwar nicht mehr „new“ dafür „irgendwie geil“ war. 

Ich fand ihn sogar so gut, dass ich mir einen für drei Jahre in die Garage stellte und alle meine VW Vorurteile gleich mit über Bord warf. Ob das eine gute Entscheidung war, erfahrt ihr hier!

 

Übergabe

Wir buchten die gar nicht mal so günstige Übergabe in der Wolfsburger Autostadt gleich dazu und haben es nie bereut. Egal ob VW Fan oder nicht, die Autostadt ist einfach ein gigantisches automobiles Eventzentrum wo alle VAG Marken mit bedacht werden, wo du Testfahrten, Geländefahrten, Sicherheitstrainings und Schiffsfahrten machen kannst. Zu Fuss bist du locker den ganzen Tag unterwegs und dann gibts ja noch die Übergabe wo du deinen Wagen in den heiligen Hallen bewundern kannst, bevor du ihn bekommst. Als Zuckerl unseres Besuchs gab es in der folgenden Nacht auch noch eine gigantische Lasershow. Also wenn man sich einen VW kauft, dann sollte man sich einen Ausflug ins Epizentrum der Marke in jedem Fall dazu gönnen. Die einzigen zwei kleinen Wermutstropfen sind die Gastro-Preise und die Tatsache das viele Events monatelang im Voraus ausgebucht sind. Aber wir haben es verschmerzt und fanden es trotzdem wirklich sehr gut.

Das Auto

Ich habe einen weißen 1.2 Liter TSI Benziner bestellt, Sondermodell Club und natürlich Cabrio. Leder Vienna, das 2015 upgedatete Navi, schicke schwarze 17 Zöller und den üblichen Schnickschnack wie Sitzheizung, Bluetooth und was eben damals in dieser Klasse so normal war. 

 

Fahren

Der 1,2 TSI ist der kleinste Motor mit nur 105 PS. Wenn man nicht schaltfaul ist kann man damit den kleinen Wonneproppen einigermaßen spaßig über die Landstraßen treiben, zumal das Serienfahrwerk eine wundervoll gelungene Mischung aus Komfort und Sport ist. Trotz Windschott zieht es manchmal ein bisschen aber das ist halt auch kein 90.000 Euro Luxusliner mit Nackenföhn. Bei gut 1300-1400 Kilogram Leergewicht reicht es dann auf der Autobahn nur noch zum Mitschwimmen und die geplanten ca. 180 km/h erreicht man gegen Ende etwas schleppend. Die von VW angegebenen 5,6-6,1 Liter Verbrauch habe ich locker überboten und mich irgendwo zwischen 7 und 8 eingependelt und das obwohl ich am Land wohne und überwiegend eben auch Landstraße fahre. Aber ich sage es mal so, das kennt man ja. 

 

Schöner Wohnen

Der Innenraum ist etwas nüchtern aber auch sehr sauber verarbeitet. Die Materialien sind für mich in dieser Klasse absolut in Ordnung und da bin ich an dem Punkt wo ich sage, da könnten sich andere Hersteller oft ein Stückchen abschneiden. Gerade bei beinen zahlreichen Testfahrten mit der Premiumkonkurrenz habe ich mir bei deutlich teureren Autos der Mittelklasse (bis ca. 60.000 Euro) oft gedacht - das sieht in meinem kleinen Käferehen irgendwie alles besser aus. Passend für deutsche Hinterteile ist der Wagen darüberhinaus auch problemfrei für Personen über 1.90 Meter wie mich geeignet. 

Frauenauto oder nicht?

Irgendwie hat der Beetle sich ja nie so ganz als Frauenliebling durchsetzen können. Das merkt man ganz leicht wenn man Frauen fragt, was ihr Traumauto ist. Nach Mini und „so ein kleinen Audi“ kommt noch lange kein Beetle bei den meisten. Schade eigentlich. Aber man muss auch sagen mit 4,28 x 1,81 ist er kein kleiner Cityflitzer mehr und irgendwie ist er halt auch weder praktisch (grade als Cabrio mit der kleinen Kofferraumluke) noch wirklich ein Rennwagen. Der Beetle ist eben ein Charakter mit Style und ich finde das auch völlig korrekt so. 

 

Defekte und Ärger in den drei Jahren

Vorweg, viel zu meckern gibt es nicht. Kurz nach dem Kauf hat sich das VW-Deutsch genannte „Composition Media mit Navigationsfunktion Discover Media“ System mit Aux, USB und SD Karten Leser komplett aufgehängt. Aber nach einem Neustart ging es wieder und der Fehler kam auch nicht zurück. Wie bei weißem Unilack heute leider oft üblich neigte der Wagen im Winter leider zu Rostpusteln. Im Gegensatz zum Cascada den ich danach ein Jahr fuhr waren es aber nicht 1000 oder mehr Pestbeulen sondern mehr so 50 pro Winter. Selbige habe ich natürlich immer wieder brav weg poliert und der Wagen stand ja auch gepflegt in einer Garage. Den Versuch vom VW Händler mir deshalb bei Rückgabe 200 Euro für eine Aufbereitung abzuknöpfen fand ich allerdings ziemlich dreist, weil mehr pflegen als ich tun vermutlich die Wenigsten ihre Autos. Wir haben uns dann aber immerhin geeinigt, man kann also reden mit den VW Kameraden. 

Mehr Ärger gab es nicht, im Großen und Ganzen machte der mexikanische Exilbeetle also einen wirklich soliden Eindruck. 

 

Alternative Modelle

Vom Beetle gab es ja unzählige Sondermodelle aber wie die meisten Sondermodelle fast aller Hersteller handelt es sich dabei eigentlich immer nur um ein bisschen Chichi. Wichtig sind für mich nur zwei Fragen beim Beetle: 1. Cabrio oder nicht und das muss jeder für sich selbst wissen. 2. Welcher Motor? Also man kann mit dem kleinen 105 PS Motor tatsächlich leben und auch ein bisschen Spaß haben aber wenn ich nochmal kaufen würde, dann ab 150 PS Benziner aufwärts. 

 

Resümee

Ich habe den Beetle nie bereut, ganz im Gegenteil, er war ein schönes Beispiel für die so oft von den Kollegen anderer Medien erwähnten „guten Verarbeitung bei VW“. Wer Mut zu extravagantem Design hat, evtl. ja sogar einen zukünftigen Klassiker fahren möchte, der macht vielleicht gerade jetzt mit dem Beetle einen guten Griff, zumal er seit letztem Jahr nicht mehr gebaut wird. Und wer mit dem kleinen Krabbeltier die Kuh fliegen lassen will, der sucht sich z.B. einen der wenigen GSR mit 210 PS. 

Text: Andreas Leffler, Bilder: Andreas Leffler

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Delta 4x4 Amarok

Wolfsburger Gründlichkeit trifft auf wildes Biest

Deutschland einige Autoland. Sparsam muss er sein aber schnell. Cool aber eben cool und zugleich unauffällig uncool. Am besten ist er silber oder schwarz und hat eine gefühlte Billion Assistenzsysteme und Airbags. Vielleicht ein Hybrid, dann kann man am nächsten Stammtisch wichtig gucken und die Ökokarte ziehen? Vor gut 20 Jahren waren die Autobauer deshalb auf der Suche nach einer Möglichkeit den „rustikalen und doch ach so wilden Geländewagen“ massentauglich zu machen. Heraus kam das SUV, ein Auto, das aussieht wie ein Geländewagen, bei dem der Besitzer aber schon Stresspickel bekommt, wenn ein einzelner Kiesel gegen die Frontschürze fliegt. Doch auch das SUV war bald zu männlich, zu groß und zu wild. Heraus kamen die Mini SUVs und wie sie alle heißen. Doch Mini ist vielen zu mini und auch immer noch nicht bieder genug. Warum also nicht einfach die 08/15 Familienkutsche zwei Zentimeter höher legen und marketingdeutsch irgendwas mit „sport“ und „aktiv“ dazu dichten? Wenn ihr nun zu den gefühlten 99 Prozent der Deutschen gehört, die genau solche Autos lieben, dann braucht ihr hier nicht weiter lesen, denn dieser Artikel ist hardcore FSK18 Geländespaß mit einer Optik bei dem eurem spießigen Nachbarn seine laktosefreie Bio-Chai-Latte aus der Hand fliegt. 

 

Wer nun auf der Suche nach eben solch einem richtigen Auto für die kanadische Wildnis ist, für die Fahrt durchs eisige Norwegen oder zumindest in den Wald zur Jagdhütte, wer einen Pick-up sucht auf dessen Pritsche man auch mal ein bis zwei tote Rehe oder vielleicht auch Büffel werfen kann, wer seinen Bart nicht als Modeaccessoire trägt sondern als Schutz vor dem nächsten Polarsturm, der greift meist zum „Ram“ oder vielleicht zum „Raptor“. Doch auch deutsche Autobauer bieten den ein oder anderen Pick-up, auch wenn sie meist ein niedliches Nischendasein fristen. Einer der Bekannteren seiner Zunft ist der VW Amarok. Mit dem 3 Liter V6 mit 165 Kw ist selbiger auch ganz passabel motorisiert ohne die hemmungslosen Trinkgewohnheiten fossiler Brennstoffe von manch seiner amerikanischen Konkurrenten an den Tag zu legen. Ein bisschen deutsche Korrektheit in der Wildheit eben, was ja auch nicht schlecht sein muss.

 

Aber ein bisschen brav wirkt er halt doch der Amarok, zumindest wenn man nachts am Lagerfeuer sitzt, frisch geschossenen Biber brät und sein Kumpel gerade seinen Silverado direkt neben dem Amarok parkt. Dies aber muss nicht sein. Man nehme gute 17.000 Euro, besuche die Firma Delta 4x4 im schönen Oberbayern und schon wird aus dem Amarok eines der heftigsten, monströsesten, auffälligsten Geländetiere, die ich je gesehen bzw. gefahren habe. Ihr merkt, ich werfe mit Superlativen um mich. Aber ganz ehrlich, ich habe schon hunderte von Autos gefahren und hier ist mein erster Gedanke, als ich davor stehe - ich habe Angst. 

Walter Röhrl soll einst gesagt haben: "Ein Auto ist erst dann schnell genug, wenn man morgens davor steht und Angst hat es aufzuschließen.“ Ich würde das „schnell“ in diesem Fall gegen „groß“ ersetzen und beschreibe damit meine Gefühlswelt ziemlich genau, als ich den Amarok aufschließe und trotz meiner fast zwei Meter Körpergröße „hinein klettern“ muss. 

 

Heiliges Kanonenrohr, der Wagen ist breit wie die Straße und hoch wie ein Haus. Ich fühle mich wie der Kapitän eines Flugzeugträgers inmitten einer kleinen Segelregatta. Was um Gottes Willen, machen diese winzig kleinen Autos alle hier um mich herum? Hoffentlich übersehe ich keines und fahre aus versehen drüber? Aber nach den ersten paar Minuten gewöhne ich mich an den Wagen und die Angst weicht einem wohligen Gefühl des automobilen Wahnsinns. In die Münchner Innenstadt möchte ich trotzdem nicht damit fahren, eigentlich nicht mal in die 30er Zone, der nächsten Reihenhaussiedlung, aber dafür umso lieber übers Feld vom Bauern nebenan. 

 

Etwas irritierend ist, dass der Amarok innen etwa so aussieht wie mein kleiner, putziger Beetle, mit dem ich gerade gekommen bin. Außen wildes Biest, innen eben doch deutsche Ordnung aus dem Konzernregal. Eigentlich keine schlechte Mischung. Die 8-Gang Automatik nimmt mir mit Wolfsburger Präzession ruckelfrei das Schalten ab und die Rückfahrkamera ermöglicht mir das „erahnen“ meines Umfelds beim einparken. Der Rest ist „niedersächsischer Buchhalter“ trifft „wilden Cowboy“. Und wer den V8 Sound vermisst aber nicht den Verbrauch, mein Testwagen gurgelt mit Soundmodul.

 

Lange Rede, kurzer Sinn. So einen Wagen musst du wollen, den kaufst du nicht einfach mal so, weil er grade da steht. Du darfst dabei keine Angst vor Größe haben und solltest ein gutes Auge für die Außenmasse deines Fahrzeugs mitbringen und - NEIN - wenn du schon Probleme hast deinen Mini ohne Einparkhilfe abzustellen, dann ist dies definitiv nicht das richtige Fahrzeug für dich. Wenn du jedoch keine scheu vor Aufmerksamkeit hast, wenn du viel draussen bist und vielleicht gerade eine Expedition ans Nordkap planst - hier ist dein Traumwagen. Abgesehen von der Größe und dem etwas veränderten Fahrverhalten durch, Höhe, Reifen usw. fährst du dann immerhin auch einen gewohnt leicht zu bedienenden VW mit der zu erwartenden guten Qualität. So braucht man also nur noch das nötige Kleingeld. Der Amarok DoubleCab Highline mit Automatik schlägt bereits in der Grundausstattung mit knapp 50.000 Euro zu Buche. Dann noch ein paar Extras und der ganze Umbau und los gehts. Wobei, sonderlich günstig ist die wirklich auffällige amerikanische Konkurrenz bei uns jetzt auch nicht. Ich habe erst letztens einen fetten Ami-Pick-up für über 100.000 Euro gesehen. Da ist der Kamerad hier ja geradezu ein Schnäppchen, zumal er als Vorführwagen für unter 60.000 bei Auto Loder in Odelzhausen steht. In diesem Sinne - gute Jagd und schreibt mir mal eine Karte von eurer nächsten Weltumrundung!

Text: Andreas Leffler, Bilder: Andreas Leffler



Das Buch zur Reise quer durch die USA
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