Rüsselsheimer Kulturgut

Spätsommer Cabrio Freuden

Der Opel Cascada

Viele Leute wollen immer wissen, was ich privat fahre. Für was entscheidet sich jemand, der laufend Autos testet und über sie schreibt? Nun ja, meine Spaßautos, mit denen ich immer mal auf Treffen und Events auftauche sind ja hinreichend bekannt, seit fast drei Jahren ist es nun ein Ford Mustang. Aber im Alltag sieht die Sache natürlich anders aus und durch eine seltsame Fügung des Schicksals (in kurzen Worten: geerbter Opel Astra, Kamikaze-Reh auf Autobahn, unschlagbares Angebot des Opel Händlers) bin ich beim Opel Cascada gelandet, natürlich im Top Trim mit den 200 PS. Die ersten 5000 Kilometer habe ich hinter mir und ob ich es bereue, ob ich euch das Auto empfehlen würde und auf was ihr achten müsst, das erfahrt ihr in diesem Artikel. 

 

Ich erzähl euch mal wie ich mir die Geburt des Cascada vorstelle (natürlich ohne es wirklich zu wissen).  Nach den traurigen Opel Jahren zwischen Anfang der 90er und den frühen 2000ern standen in Rüsselsheim die Zeichen endlich wieder auf Angriff. Mit dem Insignia gab es wieder einen modernen Mittelklassewagen, mit den OPC Modellen hatte man merklich Muskeln zugelegt, mit dem Adam stand ein echter Lifestyle Kleinwagen zur Attacke auf Mini & Co. bereit und jetzt sollte es die Krönung geben, ein luxuriöses, sportliches, schickes Cabrio, mit dem man der Konkurrenz aus München, Ingolstadt und Stuttgart richtig auf dem Pelz rücken konnte. Man holte sich den besten Designer seit dem Typen der den Manta A und den Opel GT entworfen hatte und dieses Genie zeichnete den Cascada. Ein stromlinienförmiges, sportlich, modernes Cabrio mit tollen Sicken und Kanten, mit riesigen Radhäusern und passenden 20 Zöllern, für mich das definitiv schönste 4-Sitzige Cabrio außerhalb der Premium und Musclecar Klasse und definitiv das schönste Opel Cabrio aller Zeiten. Unser fähiger Designer läuft also mit seinem Entwurf zum Vorstand und die alten Herren sind begeistert, die Ingenieure sind ebenfalls begeistert und träumen von einem Opc, 300-400 PS, A5 und 4er Killer und reiben sich die schweißnassen Hände. Opel will return to the top. 

 

Doch dann erinnert einer der Herren daran, dass man das Projekt erst noch den Finanzleuten vorstellen müsse. Betretenes Schweigen. So also macht sich kurz darauf ein „Finanzler“, halb Schwabe (wasch desch koscht), halb Amerikaner (Autos verkauft man über den Preis und nicht über die Qualität) ans Werk, krempelt die Polyesterärmel hoch, zupft sich die Fliege zurecht und zückt den größten Rotstift, den er finden konnte. Großer Motor - wird völlig überbewertet. Leichtbau - wasch desch koscht! Zentrale Bedieneinheit - da kann man auch die bewährten ca. 50 Knöpfe aus dem Astra, Meriva Konzernregal nehmen, die vermutlich schon Generationen von Opel Fahrern in die Verzweiflung getrieben haben. So ging es weiter und was wir bekommen haben, ist der Cascada wie wir ihn kennen. 

 

Aber eines muss man mal vorweg sagen: Alleine schon dafür, dass Opel den Cascada überhaupt baut gehört ihnen eigentlich schon eine Medaille verliehen, denn ich finde wirklich, dass der Cascada das schönste Cabrio jenseits von unbezahlbarem Premiumblech ist. Ja, liebe Leute, Mercedes hat es doch seit Jahren vorgemacht. Zweisitzige Roadster kann man unter schicken Blechdächern verstecken aber viersitzige Cabrios sehen immer kacke aus mit Blech obenrum. Warum verstehen das nur so wenige? Opel jedenfalls hat es verstanden. Gratulation dazu! Außerdem sind wir doch mal ehrlich, das Volkscabrio ist genauso vom aussterben bedroht wie das Volkscoupe und die westafrikanische Knubbelantilope. Zweitürig, schick und schnell wird es bald nur noch für Leute mit tiefen Taschen geben und schuld daran sind nicht mal die bösen Autohersteller, sondern wir, die Käufer. Denn wo in den 80ern und 90ern Cabrios und Roadster noch in allen Klassen begehrt waren, da sind wir heute, man muss es einfach mal sagen, stinkfaul und gemütlich geworden. Wir wollen hohe Autos, praktische Autos, bequeme Autos, Eier legende Wollmilchsäue und weil die Hersteller irgendwas mit „Sport“ und „Activity“ drauf schreiben glauben wir es und kaufen die Pampersbomber wie geschnitten Brot. Wer also heute ein finanzielles Risiko geht und uns überhaupt noch ein dickes Cabrio zu einem bezahlbaren Preis auf die Räder stellt ist für mich ein Held. Das gilt damit auch und im Besonderen für Opel und den Cascada. 

 

Die Fahrleistungen 

Zurück also zum Fahrzeug und beginnen wir bei einer echten Problemzone im doppelten Wortsinne: Kleiner Motor trifft auf viel Gewicht, in der Regel keine gute Mischung und auch hier der größte Schwachpunkt am Cascada. Mein Modell wiegt 1816 Kilogramm, mit mir, einer schnucklig, formschönen Beifahrerin und ihrer Handtasche an Bord sind wir also flugs bei zwei Tonnen. Zum Vergleich: Mein Mustang ist übrigens fast 100 Kilogramm leichter als der Cascada, soviel also zu den „schweren Amis“. Auf die 1816 Kilogramm vom Cascada trifft nun im meinen Fall der 1,6 Liter Turbomotor mit den 200 PS, den es zu allem Übel seit diesem Sommer auch nicht mehr für Geld und gute Worte zu bestellen gibt. Die 9,2 Sekunden von 0-100 km/h aus dem Prospekt sind damit gefühlt glaubwürdig. Ein Racecar wird der Cascada damit sicher aber auch nicht, doch das Leben ist ja kein Viertelmeilen-Rennen. Im Alltag fährt der Opel ganz anständig wenn man nicht schaltfaul ist und keine Wunderdinge erwartet. Die aus den OPC Modellen bekannte HiPerStrut Vorderachse macht in Zusammenarbeit mit dem Flexride Fahrwerk gute Arbeit und der Cascada kann plötzlich glänzen. Das aufpreispflichtige Flexride Fahrwerk ist definitiv eine Empfehlung von mir, im Tourmodus wird der Cascada nämlich zu dem was er am besten kann, zum entspannten Gleiter und Reisewagen. Hier liegen definitiv seine Stärken und die Power reicht, um ab und an zu überholen oder für die 235 km/h Spitze, wobei er bis 200 sogar ganz anständig anzieht. Doch sogar auf der Landstraße kann er Spaß machen, wenn man den Sportknopf drückt und dabei einfach das Auto genießt, anstatt auf der Jagd nach der nächsten Bestzeit zu sein. 

 

Sonstige Problemzonen

Was zunächst auffällt ist die schon erwähnte „Knopflandschaft“ in der Mittelkonsole. Konzernregal läßt grüßen. Der freundliche und auch durchaus kompetente Opel Verkäufer hat sich nur in einer Sache geirrt, als er mir das Auto anpries und meinte: „Es gibt Leute die mögen eben zentrale Bedieneinheiten und es gibt Leute die mögen viele Knöpfe.“ Ganz ehrlich - Nein! Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt der so viele Knöpfe mag. 

Abgesehen davon finde ich es schade, dass es kein Premium Soundsystem gibt, also kein B&O, JBL, Fender, was auch immer. Lifestylesound gehört einfach in ein Lifestyleauto. Allerdings wird bereits der Sound meines Navi 650 Systems gekillt und mehr Bass wäre vermutlich noch schlimmer. Ganz ehrlich: Ich bin kein Ingenieur, aber wenn ich diese Gurtzubringer, die ja für ältere Menschen oder Menschen mit Bewegungseinschränkung sinnvoll sein mögen, aus dünnen Plastikgestellen bastle, und die werden dann im hinteren Türbereich in der Nähe der riesigen Lautsprecher eingezogen, dann muss mir doch klar sein, dass dieses Plastikzeug bei jedem Bassschlag vibriert. Bei mir tut es das jedenfalls, und zwar schon bei ca. 1/3 bis 1/2 der maximalen Lautstärke. Genauso wie die Carbon-Plastik-Leisten seitlich an der Mittelkonsole knirschen und knarzen sobald ein bewegendes Knie drauf liegt. Solche Konstruktionsideen verstehe ich schlicht und ergreifend nicht. Dennoch genug gelästert, denn der Wagen verfügt außer seinem schicken Design und den Reisefähigkeiten noch über einige mehr Pluspunkte. 

 

Die Highlights 

Das Beste sind die aufpreispflichtigen Premium Ledersitze vom Modell „Aktion gesunder Rücken“. Was ein bisschen nach Krankenkasse und Reha klingt sieht aber schick aus und ist wirklich gut gemacht. Elektrisch in alle Richtungen verstellbare Bequemsitze mit ausziehbarer Oberschenkelauflage, Lordosenstützen und in meinem Fall sind die Dinger auch noch beheizbar und belüftet. Super Sache, unbedingt bestellen. Auch gut, das, im wahrsten Wortsinne, ausgezeichnete Lichtsystem, welches sich automatisch an allerlei Fahrsituationen anpasst (Kurve, Autobahn, Spielstraße, Schlechtwetter usw.). Telefonanbindung, Tempomat, 2-Zonen Klima und Multifunktionslenkrad sind da ja da schon fast selbstverständlich. Die Frontkamera mit allerlei moderner Assistenzsysteme hat meiner auch, aber ich nutze sie so gut wie nicht. Wer mich kennt weiß, dass ich gerne selber fahre. 

Erfreuliches gibt es auch bei den Platzverhältnissen zu berichten. Große Fahrer haben keinerlei Probleme und nicht unbedingt typisch für 2+2 Sitzer die sich als 4-Sitzer tarnen ist die Tatsache, dass hier sogar zwei normalgroße Menschen hintereinander sitzen können und der hinten Sitzende nicht nach 20 Kilometern als buckliger Glöckner wieder aussteigen muss. Selbiges gilt für den Kofferraum, den man durchaus als Alltagstauglich bezeichnen kann. 280 Liter bei offnem und 380 Liter bei geschlossenem Verdeck plus klappbare Rücksitzlehnen sorgen dafür, dass man mit ein bisschen gutem Willen auch durch den Alltag mit dem Wagen kommt, ohne dass man sich gleich panisch nach einem SUV umsehen muss. 

 

Die Empfehlung

Ich habe mich schon lange für den Cascada interessiert weil ich ihn subjektiv schön finde und weil ich gerne Cabrio fahre. Die Motoren-/Gewichtsproblematik hat mich bis dato jedoch immer abgeschreckt. Jetzt habe ich mich mehr oder weniger zufällig dafür entschieden und bereue die Entscheidung nicht. Trotz der beschriebenen Problemzonen hat der Wagen viele Vorteile und über den größten Vorteil haben wir noch gar nicht gesprochen - das Preis-/Leistungsverhältnis. Mein Fahrzeug hätte neu gute 40.000 Euro gekostet und ich habe es als 3jährigen Leasingrückläufer mit 39.000 km auf der Uhr für einen Bruchteil dessen bekommen. Dafür gibt es ein 200 PS Cabrio mit Alltagsnutzen und wirklich einer ganzen Menge Luxus- und Lifestylegoodies aus dem Premiumsegment. Als Bonus habe ich noch 5 Jahre Gebrauchtwagengarantie und 4 Jahre Inspektion für lau obendrauf bekommen. Das ist definitiv kein schlechter Deal, den der Wasserfall (spanisch Cascada) da anbietet. Wer keinen Racer aber ein schickes Wägelchen sucht, bei dem die Folgekosten (vor allem mit Garantiepaket) überschaubar bleiben, kann sich den Cascada ja mal anschauen. Man muss die Hersteller schließlich schon ermutigen, auch in Zukunft noch solche Nischen zu bedienen. Wer noch mehr Fragen zum Auto hat, kann mir gerne schreiben. 

Text: Andreas Leffler, Bilder: Andreas Leffler


Von Cowboystiefeln und Freiheit

Der Opel Manta B

Ich heiß Heinz, na der Name ist auch Schnuppe, kannst mal lieber Manni zu mir sagen. Denn in unserer Opel Fanclub Gruppe, heißt ein jeder genauso wie sein Wagen und ich fahr ja den Manta! So hieß es schon im Manta Lied von Norbert und den Feiglingen. Überhaupt wurde wohl kaum über ein Auto mehr geschrieben, gelacht, gedichtet und auch gefilmt als über den Wagen mit dem Rochen im Namen und damit meine ich überraschenderweise nicht die Stingray Corvette sondern den Opel Manta. Welches Auto kann schon von sich behaupten, dass es Mittelpunkt von zwei Filmen, zahllosen Songs und noch viel mehr Witzen ist. Gut, Mustang, Käfer und die oben genannte Corvette könnten da sicher noch ein Wörtchen mitreden, aber wir bleiben mal beim freundlichen Opel. Anfang der 90er konnte man den Wagen hassen oder lieben. Ich habe ihn geliebt und deswegen besaß ich als blutiger Fahranfänger gleich zwei. Einen rostig, alten GT/E von 1978 und einen glänzend-blauen Irmscher GSi von 1986. Umso mehr freut es mich, dass der Manta inzwischen auf dem Weg zum Kultauto ist. Grund genug also, ihm einen Artikel zu widmen. 

 

Nach dem zweifelsohne ziemlich schicken Manta A trat der B im Jahr 1975 kein leichtes Erbe an. Gleich zum Einstand gaben ihm seine Väter aus Rüsselsheim auch eine schwere Hürde mit auf den Weg. Eine ziemlich peinliche Werbekampagne zur Einführung mit Slogans wie - „Ich träumte, ich hätte im neuen Opel Manta dem Champion den Grandprix abgejagt“ - verjagte damit höchstens die Kunden, die teilweise sogar an Opel schrieben, dass sie sich den Wagen nicht kaufen würden, weil sie Angst vor einer Blamage hatten. Dies zumindest liest man heute zum Thema in den Weiten des Internets. Naja, Aussagen über Grandprix und Champions sind jedenfalls ziemlich gewagt, wenn man bedenkt, dass der Manta auf dem Ascona B basierte und schon ab 55 PS zu haben war. 

 

1978 war es dann soweit, der beliebteste Manta Motor erschien auf der Bildfläche. Ein 2.0 Einspritzer mit 110 PS begeisterte Kunden und Tester gleichermaßen. Opel hatte damit seinem kleinen Sportler endlich auch ein Herz spendiert, mit dem man dem Rivalen aus Köln (dem Ford Capri) richtig auf den Pelz rücken konnte. Den CC, das Combi-Coupe, erwähne ich hier nur der Vollständigkeit halber. Man erkennt es an der großen Heckklappe und ich persönlich konnte mich nie so recht dafür erwärmen. Geschmacksache eben. Kommen wir lieber zu meinem GT/E. Ich habe ihn damals für 2000 DM gekauft. Das Dinge hatte „viele Kilometer“ auf der Uhr, fast genau so viele Boxen im Innenraum verbaut, Rost an zahlreichen Stellen und diesen langen Schaltknüppel mit einer 4-Gang Handschaltung. Aber was soll ich sagen - 110 PS! Das war damals noch eine Macht. Mit dem Wagen habe ich fahren gelernt, Dummheiten gemacht und die unbeschwerte Jugend der 90er ohne Facebook, Smartphone und Komplettüberwachung erlebt. Beim „Powerslide“ üben auf einem Kiesplatz habe ich mir dann mit spritzenden Steinen den Kühler durchgeschossen, ansonsten hatte der Wagen nie ein Wehwehchen. Kassette rein schieben, Seitenscheibe runter kurbeln, Arm raus und mit ZZ-Top die Landsberger Straße runter bollern. Viva Las Vegas, mitten in einer lauen Münchner Sommernacht.

 

1981 kam dann einer der begehrtesten Mantas auf den Markt, der 400er. Da das Motorsportfahrzeug aufgrund des Reglements auch mindestens 200 Straßenzulassungen brauchte, um zugelassen zu werden, kamen die reicheren Mantafans unter uns in den Genuss von einem astreinen Rennwagen. Unter einer Tonne Leergewicht mit 144 PS. In verschiedenen Ausbaustufen wurden da dann auch mal 275 PS draus. Das waren damals eher Ferrariwelten als Opelträume. 

 

1982 gab es eine größere Modellpflege und 1984 wurde der GT/E vom GSi abgelöst. Letzterer war jetzt das Topmodell für Normalsterbliche. Er kam wieder mit dem 110 PS 2.0 Liter Motor und war jetzt auch mit einem 5-Gang Getriebe erhältlich. Letzteres habe ich relativ bescheiden in Erinnerung im Vergleich zum 4-Gang Schalter, dafür gab es ein paar Km/h mehr Endgeschwindigkeit. Das war wichtig damals, genauso wichtig wie die 10 Sekunden Beschleunigungs- und die 200 km/h Endgeschwindigkeitsmarke zu knacken. Beides hat der GSi offizielle gerade so nicht geknackt. Mein Vater erzählt heute noch gerne die Geschichte wie ich nachts um drei Uhr begeistert nach Hause kam, er wach war und ich ihm erzählt habe, wie wir im uralt-rostigen GT/E auf der Autobahn einen Highspeed Test gemacht hatten und laut Tacho die magischen 200 bergab geknackt hatten. 

 

Diese Geschichte und der Winter in Bayern führten dazu, dass er mir ein paar Mark für den GSi spendierte, damit ich ein wenig sicherer durch die Lande schaukeln konnte. Naja, ob ein sogenannter „Exklusiv“ Manta, also ein von Irmscher veredelter Manta in wunderbarem Monacoblau mit Recarositzen, Leichtmetalfelgen und einer fetten Theke am Heck für Sicherheit im Kopf von jugendlichen Fahrern sorgt, mag diskutabel sein. Indirekt aber hatte er doch Erfolg. Der „Irmscher“ war so viel schicker und auch um einiges teurer als der GT/E, so dass ich viel besser auf ihn aufpasste und damit auch wesentlich weniger Unfug trieb. Dabei fällt mir ein: Kennt ihr noch den kürzesten Manta Witz? Steht ein Manta vor der Uni. Gar nicht mal so lustig, denn ich bin mit meinem Manta zur Uni gefahren, ich habe mit dem Manta mein Reifenzeugnis äh Reifezeugnis gemacht, ich war mit dem Manta im Kino um mir Manta Manta anzugucken und mein Kumpel hat mitten im Film „Uschi Muschi“ gerufen, als Tina Ruland als blonde Friseuse Uschi ins Bild kam, was fast zu einer Schlägerei mit anderen Kinobesuchern geführt hätte. Apropos Schlägerei, kennt ihr schon die Geschichte als wir in den Mc-Donalds Parkplatz fuhren wo sich gerade eine VW Gti Gruppe getroffen hatte… aber nein, das ist eine andere Geschichte. 

 

Damals haben wir alle vom Manta i300 geträumt, dem Manta mit dem 3.0 Motor aus dem Senator. Aber den gabs leider nur 27 mal und damit war er für uns alle unerschwinglich. Dafür erschien dann 1990 der Calibra auf der Bildfläche und versprach den Opelfans endlich wieder ein spottfreies Coupe - sozusagen einen Sportwagen von echtem Caliber wie der Insider sagt. Ich habe mir dann 1993 als braver BWL Student einen Vectra A geholt. Natürlich tiefer gelegt und mit Sportauspuff, aber eben doch seriöser als der Fisch. Der GSi ist allerdings eines der ganz wenigen Autos von dem ich heute noch zutiefst bedauere, dass ich ihn verkauft habe. Zumal mein Vectra sich als Megaflop erwiesen hat und meine Opelleidenschaft für Jahrzehnte zum erlöschen gebracht hat. Leider hatten wir damals alle übersehen, dass plötzlich aus „Opel dem Zuverlässigen“ eher ein „Opel der Rostige“ geworden ist. Es folgten die vielleicht schlimmsten Jahre der Opel Firmengeschichte. Alleine mein Vectra war in den drei Jahren wo ich ihn hatte öfter in der Werkstatt als jedes andere Auto, welches is je besaß. 

 

Wenn ich heute an den Manta zurück denke, dann wird er für mich immer etwas besonderes bleiben. Träume der Jugend, erste Freiheit und viele Dinge die einem mit Anfang 20 so um die Ohren fliegen. Der Manta ist aber auch ein letzter Ritter seiner Art. Ein mechanisches Automobil ohne Sicherheitsnetz (ABS, Traktionskontrolle usw.) und ohne sonstigen elektronischen Schrott. Du konntest fahren oder du konntest es eben nicht. Ich muss heute noch oft lächeln wenn Jungs mit ihren komplett elektronisch abgesicherten und überwachten Leasingautos ein bisschen schneller um die Kurve fahren und denken - sie könnten fahren. Süß! Aber das verstehen wohl nur die Älteren unter euch, oder zumindest diejenigen, die ein älteres Auto fahren. Der Calibra (und auch mein Vectra) kamen dann plötzlich mit Bordcomputer, elektrischem Schiebedach, elektrischen Spiegeln und natürlich mit ABS. Ein erster Schritt in eine Richtung die wir damals alle nicht absehen konnten. Morgen werden wir vielleicht alle elektrisch ferngesteuert, während wir von Stau zu Stau rollern. Damals haben wir die Fenster runter gekurbelt, Benzin gerochen und sind mit hochgekrempeltem Leinensakko zum Baggersee geheizt. Bo eye, ich vermisse das! Apropos hochgekrempeltes Leinensakko. Die Bilder von dem blauen GSi sind von mir, mit leichter Patina aus Zeiten in denen Fotos noch entwickelt wurden und nicht auf einer Festplatte verstaubten. Der Rest ist eine Mischung von verschiedenen Bildern, die ich in den letzten Jahren auf Veranstaltungen gemacht habe, ein paar gut erhaltene Mantas gibt es ja zum Glück noch. Ich geh jetzt mal meine Cowboystiefel im Keller suchen….. 

Text: Andreas Leffler Bilder: Andreas Leffler 



Das Buch zur Reise quer durch die USA
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