Ford - spaßiges aus Köln

Monstermäßig unterwegs

Der neue Ford Ranger Raptor im Test

Ford Performance bläst zum Großangriff und zusammen mit dem kürzlich getesteten Focus ST steht der neue Ranger Raptor in den Startlöchern. Der "dicke Raptor" hat ja bereits einen riesigen Fußabruck in der Pick-up Szene hinterlassen und mit Lifestyle und Performance dick Punkte gesammelt. Ob der "sozialverträgliche" und etwas handlichere Ranger Raptor in seine Fußstapfen treten kann werden wir heute heraus finden. 

 

Ford Performance stellt uns während der Performance Days eine ganze Reihe von Ranger Raptoren zur Verfügung. Wir dürfen sie durchs Umland von Köln fahren, über Landstraßen, enge Gassen, die Autobahn und am Ende auch noch unter fachkundiger Anleitung ins Gelände. Auf den ersten Blick wirkt der Raptor "fett" im positiven Wortsinne. Ein Männerauto für eine Männerwelt, entschuldigung Mädels. Natürlich weiß ich auch, dass die Männer heute nicht mehr das Mammut jagen aber wenn sie es würden, dann scheint der Ranger Raptor auf den ersten Blick eine gute Wahl. 

Salonlöwe, eine gute Figur auf der Maximilianstraße in München und das wilde Biest im Gelände, wir werden sehen. Erst einmal klettern wir hinauf und nehmen Platz in einem 5,36 Meter langen Fahrzeug. Gute zwei Meter Breite, knapp 1,90 Höhe und das Gefühl in den USA angekommen zu sein breitet sich aus. 

Allerdings erwartet uns kein feuchtfröhliches V8 Böllern und auch nicht der gut 450 PS starke EcoBoost aus dem großen Raptor. In Deutschland ist bekanntlich alles eine Nummer kleiner. Der Ranger Raptor trägt ein 2.0 Diesel Herz mit 213 PS. Das klingt nach gar nicht mal so viel, doch 500 Nm geben Grund zur Hoffnung. Bereits auf den ersten Metern wird klar, der Raptor ist nicht untermotorisiert, muss man doch wissen, dass die "normalen Ford Ranger" Modelle schon ab 130 PS zu haben sind. Auf der Autobahn kann man problemfrei mit 140 km/h mitschwimmen, bei 170 ist Schluss. Auf der Landstraße hängt die Fuhre ganz ordentlich am Gas, vor allem wenn man unverhofft auf den nächsten Feldweg abbiegt und die 10 Gang Automatik passt hier perfekt und vermittelt ganz wunderbar den gechillten American Way of Drive. 

Bedenkt man, dass es sich eigentlich um ein "Nutzfahrzeug" handelt, so muss man sagen, es ist ein ganz schön schickes Nutzfahrzeug und das war wohl auch der Plan im Hause Ford Performance. Leder, Kontrastnähte, ein modernes Navi mit blitzschneller Umrechnung wie letztens im Focus ST, sportliche, schicke Sitze und eine Menge sonstiges "Klimbim" erwartet den Ranger Raptor Kunden, der allerdings auch gut 66.000 Euro auf den Tisch des Hauses blättern muss. Ist er das wert? Abrollgeräusch ok, Geländefähigkeit, soweit wir das mit unseren bescheidenen Geländefähigkeiten beurteilen können sehr gut, unterschiedliche Modi von "Normal" über "Sport" bis "Gras, Gravel Snow", "Fels", "Schlamm, Sand" und "Baja" unterstreichen die ernsthaften Off-Road Ambitionen, geile Optik, ein subjektiv erhabenes Sitzgefühl und ein hoher Spaßfaktor sprechen dafür. 

Eine verringerte Zuladung (ca. 400 Kilo weniger) und eine verringerte Anhängelast (ca. 1 Tonne weniger) gegenüber den normalen Rangers könnte bei ernsthaften Arbeitern ein paar Abzüge geben. Aber Performance Features haben halt auch ihren Preis. Ford untermauert in jedem Fall mit dem Wagen seinen Ruf, eine feste Größe oder sogar die feste Größe im Pick-up Markt zu sein. Letzterer ist in Deutschland zwar nicht üppig groß aber die Kölner halten wohl ca. 30 Prozent Marktanteil und mit dem Ranger Raptor haben sie definitiv einen Wagen auf die dicken Räder gestellt, der das Zeug zum neuen Pick-up King of the Road auf deutschen Straßen hat. 

Text: Andreas Leffler, Bilder: Andreas Leffler, Jasmin Stuelpner, Ford Deutschland

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Ford Focus ST 2019

Ein Angriff auf die Kompakte Spitze?

Den vergangenen Kompakten Focus RS haben wir damals als kompakte Spitzenklasse angepriesen und auch heute ist der RS für mich noch einer der besten Kompaktsportler aller Zeiten. Mein Kollege Fabi war vom neuen Fiesta ST gar so begeistert, dass er ihn sich gleich bestellt hat. Bleibt die Frage, kann der neuen Ford Focus diese riesengroßen Fußstapfen füllen?

Zur Klärung hat uns Ford nach Köln eingeladen wo im Rahmen eines Ford Performance Events der neue Ranger Raptor und eben der 5-türige Focus ST vorgestellt werden. Natürlich wird es den ST auch wieder als Diesel und als Turnier geben, heute aber geht es nur um die sportliche Kompaktklasse. Daher sind alle Testwägen 5-Türige Kompakte mit dem 2,3 Liter EcoBoost. In diesem Fall leistet selbiger 280 PS, bringt 420 Nm, treibt die Vorderräder an und durchbricht die 100 km/h Grenze nach 5.7 Sekunden. Ob es so spaßig ist wie es klingt, finden wir jetzt heraus. 

Zu Beginn unserer gut 200 Km langen Teststrecke regnete es. Ford üblich macht das Fahrwerk seine Sache sehr ordentlich und findet einen tollen Kompromiss zwischen sportlich und komfortabel. Interaktiv und mit elektronischer Dämpferregelung versehen hat man bei selbigem die Wahl zwischen 3 Fahrmodi, nämlich rutschig, Komfort und Sport. Da wir das optionale Performance Paket an Board haben, gibt es als viertes noch den Rennstreckenmode. Die Modi fallen dabei so unterschiedlich aus, dass man mit einem Knopfdruck aus einem sportlichen Kampfbiest einen familientauglichen Reisewagen zaubern kann. 

Ein generelles Problem von vielen PS auf der Vorderachse ist ja oft der Schlupf bei nassem Untergrund. Ford brennt daher ein kleines Feuerwerk ab und verspricht mit einer elektronischen Differenzialsperre, erfreulich guten Michelin Pilot Sport Reifen und der aus dem Supersportwagen GT bekannten „Anti-Lag“ Funktion Power ohne Ende in allen Situationen. Subjektiv und auch objektiv ist das sehr gut gelungen muss ich zugeben, auch wenn ich im Normalfall Prospektversprechen wenig Glauben schenke. Und auch wenn trotz all der Arbeit bei schlechtem bzw. nassen Untergrund ein bisschen Leistung auf der Strecke bleibt ist der Vortrieb in allen Lebenslagen beachtlich. Spaß macht das Ganze sowieso und auf dem Weg durch das bergige Land um Köln herum schreit der ST fast schon nach der Rennstrecke. Auch auf den kurzen Autobahnetappen wirkt er selbst bei knapp 200 noch relativ unterfordert. 

Die Bremsen sind passend zum Antrieb willig und bissig, die Gänge reisst man fix und problemlos durch die manuelle Sechsgangbox, die Lenkung ist präzise und der 2,3 Liter Motor röhrt dazu ein feines Liedchen, wobei es im Innenraum bei den Sport-/Rennstreckenmodi schon fast ein bisschen viel röhrt, dank künstlicher Verstärkung auf die ich Herstellerübergreifend persönlich immer verzichten würde. 

Dazu gibt es ein sportliches Lenkrad, bequeme Recaro Sitze mit gutem Seitenhalt, eine passable B&O Soundanlage, im Fall des gewählten „Styling Paketes 19 Zoll Räder“ und jede Menge elektronische Helferlein, sowie Handy-Anbindungsmöglichkeiten.  Als besonderes „Zuckerl“ finden wir ein Navigationssystem vor, welches blitzartiger umrechnet wie die meisten, die ich je gesehen habe. 

Gibts auch etwas zu lästern? Als sehr große Person empfand ich die Instrumente als sehr tief liegend. Abhilfe schaffte dafür das optionale Head-up Display. Ansonsten hat mich persönlich, wie schon erwähnt, nur die „Soundübertragung“ in den Innenraum genervt. Das hat der Wagen nämlich überhaupt nicht nötig. Der 2,3 Liter ist ein richtig toller Motor aus dem Ford Programm und den ST hat man um diesen Motor herum zu einem großartigen Kompaktsportler aufgebaut. 

Bleiben noch ein bis drei Wörter zum Preis: Den Focus ST gibt es ab 31.900 Euro. Als Benziner mit dem optionalen Stylingpaket wären es dann 35.700 Euro. Da ist dann aber schon relativ viel enthalten, von den Racaros bis zum Navi. Unser Testwagen hatte mit allerlei sonstigen Vergnüglichkeiten allerdings die 40.000 Euro geknackt. Nichts desto trotz denke ich, dass man für gut 35.000 Euro hier bereits einen sehr schicken, modernen und vor allem sehr flotten Kompaktsportler bekommt, der in der „unter 300 PS“ Klasse sicherlich das Zeug zum Meilenstein hat, an dem sich andere messen werden müssen. 

Text: Andreas Leffler, Video: Andreas Leffler, Jasmin Stuelpner, Bilder: Andreas Leffler, Ford Deutschland

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Ein Date mit dem Kraftzwerg

Ford Fiesta ST 2018

Ein kalter Januartag im München, es schneit, regnet und es ist ordentlich windig. Wir haben ein Date mit einem Kraftzwerg. Der Kraftzwerg ist ein Ford Fiesta ST in (passend zum Wetter) Blizzard-Grau und der Ort des Dates ist das Automobilforum Kuttendreier im Münchener Osten. Gottseidank steht der Fiesta auf Winterreifen, weil für Sommerreifen ist es definitiv zu Nass und viel zu kalt. Nach kurzer freundlicher Begrüßung durch Herrn Beyer und Einweisung ins Fahrzeug werden wir auf die Straße geschickt mit dem Satz: „ Habt Spaß und genießt das Go-Kart-Feeling!“ Na dann wollen wir mal sehen…

 

Außenauftritt und Innenraum

Sieht schon klein aus das Auto, klar es ist ein Fiesta. Aber der ganze ST-typische Zierrat, die roten Bremssättel und die ST-Felgen verleihen ihm ein sportliches Auftreten. Ein weiteres kleines Highlight sind die gegen Aufpreis erhältlichen LED Scheinwerfer. Türe auf, rein in die gute Stube! Die RECARO-Sitze sitzen so wie sie in einem solchen Auto sitzen müssen. Der Seitenhalt ist überaus gut und sie sind trotzdem sehr bequem. Man merkt aber auch, dass Ford im Innenraum seine Hausaufgaben gemacht hat. Selbiger ist gut verarbeitet, die Nähte sind sauber ausgeführt und alles ist knarzfrei. Vier Erwachsene haben passabel Platz, sofern man die 5-türige Ausführung gewählt hat. Ich kann das ziemlich sicher sagen, denn wir sind zu dritt mit Kameraausrüstung unterwegs. Der Kofferraum bietet ebenfalls erstaunlich viel Raum für diese Klasse, somit steht dem Wocheneinkauf nichts im Wege.  Das Navigationssystem ist gut im Sichtfeld und lässt sich intuitiv bedienen. Das Bang&Olufsen- Soundsystem klingt sehr erwachsen und überraschend ausgewogen für ein Fahrzeug dieser Größe und Klasse. Rauschfreier Empfang garantiert das DAB-Empfangsteil und auch in Puncto Connectivity ist wirklich nichts zu beanstanden. Die Schalter für Klimaanlage, Sitz-, Lenkrad- und Scheibenheizung sind gut erreichbar. Aber wir sind ja nicht zum schöner Wohnen hier, wir wollen fahren!

 

Innere Werte und Fahrgefühl

Was jetzt so auf dem Papier etwas schmalbrüstig klingt  hat es in der Realität faustdick hinter den Ohren: Aus 1,5 Liter Hubraum holt der Dreizylinder satte 200 PS und 290 Nm Drehmoment. Das reicht für eine Beschleunigung von 0-100 km/h in gut unter 7 Sekunden und 232 km/h Spitzengeschwindigkeit. Die straffe Kupplung vermittelt im Zusammenspiel mit dem serienmäßigen 6-Gang-Getriebe dank knackig kurzer Schaltwege richtiges Sportwagenfeeling. Gleiches kann man auch über das Fahrwerk sagen, welches sportlich straff gefedert ist, aber eben nicht so hart ist, dass man nach jeder Fahrt erst einmal zur Krankengymnastik muss. Es bietet auch bei forciert gefahrenen Straßen genug Sicherheitsreserven und mit der direkten Lenkung hat man zu keiner Zeit irgendwelche Ängste, wie in etwa, dass man gleich abfliegen würde. Dazu trägt auch das unten abgeflachte und gut in der Hand liegende Sportlenkrad bei. Die Ansage mit dem Go-Kart Feeling war wirklich nicht übertrieben. Auch klangmäßig ist vom Dreizylinder überraschend viel geboten. In der Sportstellung wird das Auto zur kleinen Rampensau und knallt bei jedem Gaswegnehmen und Gangwechsel fröhlich aus dem Auspuff. Auch die Lenkung wird nochmal direkter und das ESP lässt mehr Freiheiten zu. Will man die volle Eskalation, dann ab in den Rennsportmodus! ESP aus, die Lenkung wird superdirekt und das Auto verwandelt sich zum Skalpell für die Rennstrecke. Die letzten beiden Einstellungen sind bei nasser Straße allerdings mit Vorsicht zu genießen. Leider hatten wir durch das Wetter beim ersten Anfahren prinzipbedingt (Frontantrieb sei Dank) etwas Traktionsprobleme, die auch das optionale Sperrdifferential vom Performancepaket nicht ganz eindämmen konnte. Witterungsbedingt mussten wir uns eben ein wenig anpassen aber trotz der widrigen Umstände sind das aber genau die Autos die man lieben muss, weil sie eben nicht bis ins letzte Detail domestiziert worden sind. Dieses Auto möchte gefahren werden und braucht manchmal eine etwas strenge und kundige Hand, weil der Motor ab 1700 Umdrehungen vehement abgeht und es schwierig wird die Geschwindigkeitslimits auf der Straße einzuhalten. Dank massenhaft optional auch hinzubestellbarer Assistenzsystemen (Totwinkelwarner, PDC hinten, Rückfahrkamera usw.) hat der Fiesta ST aber auch immer noch einen hohen Alltagsnutzen. Dennoch: Dieses Auto verleitet zum sportlichen Fahren und hat ein hohes Suchtpotential. Die Dosis an Glückshormonen in Verbindung mit einem festzementierten Dauergrinsen hat manch andere Verkehrsteilnehmer etwas verdutzt schauen lassen bei unserer Testfahrt. Als mögliche Nebenwirkungen könnten auch Strafzettel auftreten. 

 

Fazit

Kaufen? Ja! So ein spaßiges, sportliches und in diesem Fall gut ausgestattetes Fahrzeug ist schwer zu finden in dieser Preisklasse. Dank dem aktuellen Aktionspreis von Ford geht das Vergnügen schon bei 19.990 Euro los. Der Preis lässt sich allerdings mit diversen Extras und Paketen auf über 30.000 Euro anheben. Aber wie gesagt: es gibt wenig im Umfeld, dass so viel Spaß vermittelt. Wem das wirklich nicht genug ist, für den bietet das Auto noch zahllose Möglichkeiten im Tuningbereich. Ich habe mir jedenfalls bei der Rückgabe des Autos im Automobilforum Kuttendreier schon fast eine kleine Träne verdrücken müssen. An dieser Stelle nochmal ein dickes Danke an Herrn Beyer, der uns das Auto zur Verfügung gestellt hat. 

Text: Fabian Zellner Bilder: Florian Wolfstädter, Fabian Zellner


Über den Dächern von Nizza

Der neue Ford Focus 2018

Keine zwei Stunden Flug und wir befinden uns im sonnigen Nizza. Grund der Reise ist nicht etwa ein Kurzurlaub, sondern vielmehr die Vorstellung des neuen Focus durch Ford Europe. Am Flughafen erwartet uns eine gemischte Palette des beliebten Kompaktwagens von Titanium über Vignale bis zur sportlichen ST-Line. Da wir in erster Linie für Sport- und Spaß stehen, greifen wir uns zwei Flaschen Wasser, einen Kaffee und den Schlüssel zu einem Ford Focus Turnier ST-Line mit dem aktuell größten Motor mit 182 PS im schicken Race Red. 

 

Drei Zylinder mit Zylinderabschaltung und 1.5 Liter Hubraum klingt zunächst nach nicht viel aber kaum haben wir das Gewürge eines völlig zubetonierten Nizzas voller unübersichtlicher Kreisverkehre hinter uns gelassen, warten unzählige Kilometer wilder Bergstrassen auf uns und der kleine, neue Kölner kann beweisen, was in ihm steckt. Also erst mal ist dies eine Zylinderabschaltung die wir nicht bemerkt hätten, wenn uns die Ford Leute selbiges nicht noch am Abend erzählt hätten. Auch ansonsten geht das kleine Motörchen ordentlich zur Sache und zieht für die genannten Daten den ziemlich geräumigen Kombi ordentlich den Berg hinauf von Serpentine zu Serpentine. Schaltfaul darf man hier nicht unbedingt sein, aber das macht ja nichts. Der Spaß kommt beim fahren und das liegt nicht nur an einem zukunftsweisenden Motorenkonzept, sondern auch wie aus Köln gewohnt, an einer erstklassigen Fahrwerkseinstellung. 

 

Schon nach wenigen Kilometern sind wir uns sicher: Das richtige Autos für junge Familienväter, sportbegeisterte Dynamiker, die ihr Surfbrett oder Snowboard mitnehmen müssen oder einfach all die Leute die Platz brauchen und Spaß am Autofahren haben. Die Teilleder-Sitze liefern dabei einen guten Kompromiss aus Sportlichkeit und Bequemlichkeit, wie es sich für die Klasse gehört und auch das Lenkrad ist griffig, sportlich. Der Wagen ist mit den 80 Tempolimit auf französischen Landstrassen ständig unterfordert und selbst in den engsten Kehren verhält er sich auch bei forcierter Gangweise gutmütig. 

 

Ansonsten glänzt unser Testwagen natürlich mit der Ausstattungsvariation „volles Haus“ was u.a. bedeutet: Ein empfehlenswertes B&O Soundsystem, Navigation, Head-up Display, eine elektrische Heckklappe, die sich mit einer Geste des Fusses öffnen läßt und natürlich jede Menge elektronischer Helferlein, wie z.B. einen Einparkassistenten. Letztere haben uns wie gewohnt nicht groß interessiert und wir haben abgeschaltet, was abzuschalten war. Fenster auf, die Luft der Cote Azur ungefiltert einatmen und hurtig per Hand durch die 6 Gänge schalten. Mehr braucht das echte Autofahrer Herz nicht. Dennoch freuen wir uns über ein üppiges Platzangebot in der Kabine und bei den 575 Litern Kofferraum. 

 

Für alle Fahrer mit einem Herz für tolle Strecken sei noch erwähnt, die Straße zwischen Nizza und Cannes ist der absolut James-Bond-mässige-Hammer. Man fährt durch wilde Gebirgslandschaften, urwüchsige Natur und die Strasse wurde dabei teilweise direkt durch den Fels geschlagen. Sicher kennt der findige Filmegucker die Gegend nicht nur aus den Streifen mit dem britischen Geheimagenten, sondern auch durch viele andere Filmklassiker. Eine absolute Empfehlung für jeden ernsthaften Film- und Autofan. 

 

Unterm Strich muss man sagen: Kein Wunder, dass Ford bereits über 16 Millionen Focus verkauft hat. Der Wagen ist seit einiger Zeit eine echte Empfehlung in seiner Klasse mit gutem Preis-Leistungsverhältnis und sportlichen Ambitionen. Unauffällig auffällig erfahren wir noch beim Abendessen mit dem Ford Design Chef, dass der aktuelle Focus zum allergrößten Teil eine komplette Neuentwicklung ist, das ist löblich und lässt dann nach diesem einem ersten Vorserientest auch keinen großen Raum für Kritik, macht eher neugierig auf einen kommenden ST oder gar einen RS, wobei sich da die Jungs aus Köln trotz unserer journalistischen Dauerbefragung nicht recht aus der Reserve locken ließen. Es bleibt also spannend! 

Text: Andreas Leffler, Bilder: Andreas Leffler, Fabian Zellner, Ford Deutschland


Loder1899 RS

Kompakte Spitzenklasse made in Germany

Über kaum einen Kompaktflitzer wurde in den letzten Jahren mehr Wirbel gemacht als über den neuen Ford Focus RS. Alleine unzählige Millionen Klicks auf das Youtube Video von Ken Block mit dem Wagen sprechen da eine eindeutige Sprache. Aber sind wir mal ehrlich, 350 PS, Allradantrieb und ein extra Driftmode klingen mehr nach Supersportler als nach Kompaktauto und Zeit wird es, dass jemand genau in diesem Segment ein paar Grenzen sprengt. Ich musste lange warten, bis ich den RS in die Finger bekam und bin umso glücklicher, dass es gleich der nachgeschärfte Loder1899 Focus ist. Dieses Wochenende war er also endlich mein und ein paar meiner Kollegen und ich haben mal geguckt, was der Wagen so hergibt. 

 

Ich persönlich finde ja die Idee des Kompaktwagens als Sportler ganz wunderbar. Seit meinen Anfängen in einer Zeit als Golf GTI 2 bzw. 3 und Escort Xr3i diesen Markt dominierten, hat sich hier viel getan. Aus den guten 100 flotten Pferdchen sind immer mehr und mehr geworden aber die Mischung aus Alltagstauglichkeit und Spaßfaktor ist geblieben. Leider sind die meisten Fahrzeuge dieser Klasse immer noch Fronttriebler und dass hat meinen Überschwung stets gedämpft. Ja, da bin ich eben „oldschool“. Sportwagen bedeutet für mich Heckantrieb oder in gut gemachten Fällen eben Allradantrieb. Kann man diskutieren, aber eine Meinung ist eben eine Meinung und der Loder RS zeigt mir wieder einmal, dass ich recht habe. Aber eines nach dem Anderen. 

 

Erstkontakt

Der RS sieht gut aus. Wild aber nicht prollig. Der Vorgänger sah mir immer ein bisschen zu viel nach Tuning von der Tankstelle aus, der neue ist irgendwie cool ohne aufdringlich zu sein. Das gilt schon fürs Serienmodell und umsomehr für den Loder. Das grelle blau in dem man den Wagen recht oft sieht ist unter einer matt schwarzen Folie verschwunden, der Wagen liegt nochmals 20 mm tiefer gegenüber Serie und die schwarzen Vertigo 20 Zöller geben dem Auto den letzten Schliff. Alles wirkt wie aus einem Guss. Der Wagen sieht aus als würde er 90 Prozent der anderen Autos auf der Straße zum Frühstück verspeisen und ich hoffe, dass er auch genau das tun wird. 

 

Schöner Wohnen

Die Recaros sind wie immer gut, das Lenkrad liegt griffig, ansonsten sieht der Wagen innen auf den ersten Blick aus wie ein Focus - Modell volle Hütte. Navi, Sony Soundsystem Rückfahrkamera und alles was man sonst noch so in dieser Klasse erwartet. In vielen Tests wird die hohe Sitzposition bemängelt. Naja, die wurde bei meinem Evo auch immer bemängelt. Ich bin fast zwei Meter groß und habe rein gepasst. Also Schwamm drüber. Auf den zweiten Blick allerdings entdeckt man einige Zusatzinstrumente und Knöpfe, die man in einem „normalen“ Focus nicht findet. Dafür liegt auch neben dem Focus Bedienhandbuch noch ein extra Heft für den RS bei. Fahrwerksverstellung und vor allem der Drivemode Schalter rücken schnell in den Mittelpunkt des Interesses. Letzterer lässt einem die Wahl zwischen Normal, Sport, Rennstrecke und Drift. Dezentes Vorfreude macht sich breit. Ich drücke den Startknopf und rolle los. 

 

Auf der Straße

Im „normal“ Mode brummelt der Focus schon ganz ordentlich. Gut, dass mag an an dem speziellen Loder1899 Klappen-/Rennauspuff mit den zwei fetten Endrohren liegen. Als einer der letzten seiner Art wird der RS noch manuell mit einem 6-Gang Getriebe geschaltet. Kein Doppelkupplungs- und Automatikgedusel für gelangweilte Söhnchen reicher Eltern die eh nicht fahren können. Nein, das Auto will ein Sportwagen sein für Menschen die Sportwägen mögen und kein weichgespülter Premium-Spagat, um damit alles und jeden Bauch zu pinseln. Trotzdem fährt er sich erst mal ganz zahm. Die Bremse will wohl dosiert sein, kann aber leistungsgerecht vehement zupacken, die stramme Kupplung kommt plötzlich aber Menschen die damit Probleme haben, sind hier sowieso falsch. All dies passt exakt zum Charakter des Fahrzeugs und liefert genau das was man erwartet. Zeit für den „Sport Mode“. Wildes Geblubber mit gelgentlichem Knallen versüssen einem ab jetzt die Fahrt. Lenkkraft, Gaspedalkennung und Kraftverteilung werden nachgeschärft. Auf der Landstraße liegt der Wagen wie ein Brett und man könnte hier Dinge mit ihm machen, die weit jenseits allem Erlaubten liegen und es ist wirklich schwer zu sagen, was das Highlight des Fahrzeugs ist, denn es gibt so viele. Also ich persönlich finde das Handling herausragend. Ich gebe zu, ich hatte ihn nicht auf der Rennstrecke aber im realen Leben ist er eines der wenigen Autos, dass einem andauernd die Freudentränen in die Augen treiben. Dann ist da auch noch der Motor: 2,3 Liter Ecoboost mit 350 PS klingt zunächst einmal gut aber nicht nach Handschweiß ohne Ende. Naja, stellen wir uns einfach vor, eben jener Motor schiebt ja schon den aktuellen Mustang ganz ordentlich vorwärts, dort allerdings noch mit einigen PS weniger. Den Focus macht er zu einem echten Tier. 

Mit 440 Nm drückt er überraschenderweise schon aus dem Drehzahlkeller ganz ordentlich und auch auf der Autobahn hat man selbst bei 220 km/h noch das Gefühl, dass da noch jede Menge kommt. Immerhin geht er ja auch über die nervig abgegrenzten 250 der meisten Konkurrenten und macht erst bei 266 km/h Schluss. Einzig die etwas nervöse Lenkung lässt mich bei höheren Geschwindigkeiten etwas nachdrücklicher das Lenkrad greifen, ansonsten liegt der Wagen auch bei hohen Geschwindigkeiten wunderbar. Meine Kollegen die mich heute im Mustang 5 GT und in einem Nissan 300 ZX verfolgen müssen sich ganz schön bemühen um mit mir Schritt zu halten und werden schon einige Meter nach der Autobahneinfahrt zu kleinen Punkten im Rückspiegel. 

 

Resümee

Natürlich muss ich auch noch kurz den Rennstreckenmodus und den Driftmodus erwähnen. Beides sollte man definitiv nicht auf der Straße benutzen. Für geübte Fahrer abseits jeglicher Zivilisation verstecken sich hinter den beiden Modi aber nicht nur „weitere Fahrprogramme“ sondern zwei richtige Spaßbomben. Um euch nicht mit schnöden Daten über den Rest zu langweilen sage ich einfach, der Kofferraum reicht locker für den Urlaub zu zweit leicht aus und über den Verbrauch hülle ich einfach den Mantel den Schweigens. Für mich ist der Loder1899 RS in der Kompaktklasse genau das, was der Nissan GTR in der Supersportklasse ist. Ein richtiger Sportwagen in einem Meer von weichgespülten Premium- und Schickimicki Autos. Autos wie der RS halten die Fahne hoch für Menschen die wirklich noch „fahren“ wollen und die ganze Fuhre steht für ca. 55.000 Euro zum mitnehmen bereit bei Auto Loder1899 in Odelzhausen mit nur ein paar Asphalthelden Kilometern auf der Uhr. Und jetzt sage ich etwas, was ich sehr selten sage - der Loder1899 RS ist der beste Kompaktsportwagen den wir je getestet haben. Punkt. Aus. Ende. 

Text: Andreas Leffler Bilder: Andreas Leffler



Das Buch zur Reise quer durch die USA
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