BMW - Freude am Fahren

Drive it like you stole it

Das BMW z4 Coupe 3.0 (E86)

Ein kommender Klassiker. Das ist immer so ein geflügelter Satz, den Motorjournalisten gerne benutzen, wenn Autos irgendwie so aussehen als könnten sie vielleicht einmal etwas wert werden. Aber in diesem Fall würde ich mich glatt auch festlegen: Der E86 von BMW ist ein kommender Klassiker. Warum das so ist, das klären wir jetzt und ich kann euch schon verraten, es liegt nicht nur am knallroten Pornoleder unseres Testwagens. 

 

Aber beginnen wir am Anfang. Der Wagen stammt aus der Feder von Chris Bangle und dessen Design polarisierte bekanntlich recht oft. Aufgesetzt wirkende Kofferraumhauben und ähnliche Experimente sorgten für reichlich Spott aber beim Z4 hat er aus meiner Sicht und ganz subjektiv alles richtig gemacht. Der Z4 Roadster (E85) ist für mich bis heute DER Z4 und das Coupe ist das Sahnestück aus der Baureihe. Warum? Es ist selten (nur gut 17.000 Stück gebaut) und nicht mit den Sparmotoren erhältlich. Das Coupe bekommst du nur mit dem 3.0 Liter Sechszylinder und 265 Pferdchen oder als M. Der M ist natürlich erst mal geiler aber auch teurer und der Motor ist um einiges zickiger und dann im Nachgang evtl. nochmal ganz viel teurer. Außerdem, der 3.0 ist genau so viel Auto wie man braucht, um nochmal die Freude am Fahren zu erleben. 

Null bis einhundert km/h unter sechs Sekunden und 250 km/h Spitze. Das lockt heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, oder? Ganz ehrlich, ich kann diese PS und Beschleunigungsdiskussionen nicht mehr hören. Stammtischblödelei nach dem Motto, meiner ist länger als deiner. Wer sich wirklich mit Autos auskennt, weiß, dass jedes Auto einen ganz individuellen Charakter hat, sofern es denn Charakter hat, dass das Gesamtpaket stimmt oder halt auch nicht, dass Leistungsgewicht wichtiger ist als pure Leistung, dass Balance und Fahrwerk den Spaß ergeben und dass das Grinsen am Ende der Fahrt nicht immer nur von 1000 PS kommt. 

 

Also los geht’s in unserem Zetti. Es ist ein 2008er, also einer der Letzten seiner Art. Das kleine Coupe ist ein Sportwagen im besten Sinne des Wortes. Lange Schnauze, Motor vorne, Antrieb hinten und zwei Sitze, was insgesamt etwa 1400 Kg Leergewicht ergibt. Die Armaturen sind spärlich gesät. Ein paar Knöpfe, Kilma, ein Radio, ein CD Schlitz, immerhin Sitzheizung. Die bereits angesprochenen Ledersitze in pornösem rot sind mechanisch und ich sage - gut so! Der Wagen hat eine Automatik was ihn seinen Charme kosten könnte, dazugehörig Schaltpaddle am Lenkrad und eine Sporttaste. Grund zum Klagen? Auf keinen Fall. Das ist ein Sportwagen Leute und keine Sissyschleuder mit der ihr in acht Fahrmodi eure Oma ins Altenheim bringt. Einzig eine Öltemperatur Anzeige wäre vielleicht noch ganz gut aber ansonsten braucht kein Mensch mehr, wenn er einfach nur fahren will. 

 

Das Ding liegt bretthart auf der Straße und ist ein Kurvenräuber erster Klasse. Bei Bodenwellen versetzt das Heck manchmal ein wenig extrovertierter Fahrweise, ansonsten ist es ein Auto, dass das Schlechteste des ambitionierten Fahrers hervorbringt: Fahrfreude jenseits der Straßenverkehrsordnung. Die Besitzerin raunt mir zu, dass ich den Wagen aber schon anders bewege als sie. Ich denke mir „Drive it like you stole it“ und wenige Autos animieren dich so dazu wie der Z. Viele Tests bemängeln ein „zu hartes Fahrwerk“. Das ist mal so richtiger Quatsch mit Soße. Kauft euch nen Minivan wenns euch nicht passt. Das hier ist kein weichgefönter Alleskönner zum Eierschaukeln für verwöhnte Wohlstandskinder. Der Z ist ein Sportwagen und Punkt. Wer das nicht versteht der ist hier ohnehin falsch. 

Kommen wir zur Automatikfrage: Killt sie den Fahrspaß? Ich dachte zuerst schon. Der Wagen pullert so unaufgeregt über die Straße, als wenn meine Mama zum einkaufen fährt, fast schon zu zahm und sicher. Aber dann drückst du die Sporttaste und das ganze Ding spannt sich wie ein Bodybuilder beim wichtigsten Posing seines Lebens. Der Unterschied zwischen den beiden einzig verfügbaren Fahrmodi ist gigantisch. Da verlieren sogar die Schaltpaddles ihren Reiz. Wenn ihr auf dem Weg mit 50 durch ein Dörfchen rollt wäre es zwar manchmal nicht schlecht, wenn er mal hochschalten würde aber zum "durchs Dörfchen rollen" ist der Sportmode halt auch nicht gemacht. 

 

Ich summiere: Echter 6-Zylinder Sound ohne Retortenscheiße, die Art von Motor, die BMW einst großgemacht hat, ein akzeptabler Realverbrauch von ca. 10-11 Litern im Durchschnitt ohne zu viel Engagement am Gasfuß, 285 Liter Kofferraumvolumen sind ausreichend für einen netten Urlaub zu zweit und die später montierten 18 Zöller sind genau richtig, weil 17er (auf den Bildern) sehen einen Ticken zu klein aus und 19er zu prollig. Ab und an wird über die Übersichtlichkeit gelästert aber ich sage mal so: Wenn ihr es nicht schafft einen zweisitzigen Sportwagen der gerade mal gut vier Meter lang ist einzuparken, dann kauft euch eine Monatskarte! Echt wahr! 

 

Jetzt fragt sich der geneigte Leser doch, hat der Andi ausnahmsweise nichts zu meckern? Natürlich hat er das. Ein großes Problem gibt es oder besser gesagt ein kleines Problem: Das Ding ist für Halblinge und Zwerge gebaut. Ich komme nur rein und raus mit einem zwischenzeitlichen Bandscheibenvorfall und unter dem Gelächter der Passanten. Wenn ich drin sitze bekomme ich Platzangst, meine Knie schaben am Interieur und mein Kopf ist schief zu Seite geneigt. Das katapultiert den Z leider direkt wieder von meiner persönlichen Auto-Heldenliste ins Nirvana weil ich definitiv sagen kann, dieses Fahrzeug ist nichts für Personen mit 1.97 Meter Körpergröße. Da haben selbst die ja eher kleineren Japaner im vergleichbaren 350Z für üppige Platzverhältnisse gesorgt. Schade eigentlich für einen der letzten echten Oldschool-BMW, zumindest wenn ihr mich fragt. 

Text: Andreas Leffler, Bilder: Andreas Leffler

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