gedanken über den Spaß am Fahren!

Das erste Mofa, das erste Motorrad oder das erste Auto erfüllen seit Generationen nicht nur den Zweck der Fortbewegung, sie bedeuten auch Freiheit. Die Freiheit der Wahl ob ich hier oder dort hinfahren möchte, etwas sehen möchte, etwas erleben möchte, jemanden besuchen möchte. Die Freiheit den enger werdenden Wänden des Kinderzimmers zu entfliehen und wenn man denn sogar ein Auto hat, die Freiheit eines ersten eigenen „Wohnraums“ in dem man laut Musik hören kann, in dem man lieben, lachen, nachdenken oder auch nachts einfach nur quatschen kann, wenn man noch nicht nach Hause will. Die Straßen wirken plötzlich endlos und die Fahrt durch die Nacht hat Generationen erwachsen werden lassen. Freiheit eben!

Blickt man auf die Autowerbung der 70, 80er und 90er dann findet man zahllose doppeldeutige Peinlichkeiten, hübsche Frauen, Leistungsversprechen und den Verkauf eines Lebensstils. Das ganze wirkt aus heutiger Sicht oft schon ein bisschen peinlich, aber im positiven Sinne. Ein Schmunzeln kann man dabei kaum unterdrücken. Heute sieht selbst die Werbung für das Auto anders aus. Sexy Frauen sind obsolet, käme man doch sofort ins Kreuzfeuer der Sittenwächter, die selbiges für frauenfeindlich und sexistisch erklären würden. Mit Leistung zu protzen kommt nun aber auch nicht mehr in Frage, das wäre im allgemeinen Klima der Weltenrettung ja schon fast obszön. Also was bleibt noch? Der geringste Verbrauch, Musikstreaming (aber bitte nicht zu laut), das Reichweitenversprechen einer neuen Technologie, welches du mit einem Dieselkleinwagen schon in den 80ern erreicht hast?!

In so einer perfekten Welt bleibt eine Frage und man fragt sich schon ob man sie überhaupt noch stellen soll: Darf Auto (oder Motorrad) fahren noch Spaß machen? Spaß war von jeher eines der Verkaufsargumente für viele Fahrzeuge. Den Spaß mal auf der Überholspur zu sein, den Spaß das Schiebedach aufzumachen und die laue Nachtluft zu spüren, den Spaß das Gefühl von Geschwindigkeit auf einer einsamen und kurvigen Landstraße zu erleben, den Spaß sein eigenes Fahrzeug zu optimieren, den Spaß das Auto als Hobby mit Freunden zu teilen, den Spaß mit den Händen über die Kurven einer 69er Corvette zu streichen, den Sound eines Ferraris zu hören oder auch nur der bescheidene Spaß ein neues Radio in sein eigenes kleines Auto einzubauen.

Darf also ein Produkt welches politisch und medial gerade hingerichtet wird noch Spaß machen? Darf der Bürger, in einer Welt die genau jetzt und immer dar von uns gerettet werden will, überhaupt noch Spaß empfinden?

Eigentlich ist es unglaublich, dass wir diese Frage in einem freien Land überhaupt stellen müssen. Noch unglaublicher ist, dass man lange überlegt ob man diesen Punkt überhaupt noch thematisieren darf! Doch ein Leben ohne Spaß und Freude ist nunmal ein sehr trauriges Leben und natürlich müssen nicht alle Menschen am gleichen Hobby Spaß haben. Der eine hegt und pflegt seine Rosen, der andere geht mit seinem Hund Gassi und der Dritte schraubt eben an seinem Auto.

Vielleicht sollten wir einfach aufhören einfach immer alles schlecht zu machen, was wir selbst nicht wollen oder verstehen. Vielleicht sollten wir auch dem Nachbarn wieder etwas gönnen und vielleicht sollten wir nicht vergessen, dass bei all dem Spaß das Auto auch eine Vielzahl von Menschen in diesem Land ernährt.

Text: Andreas Leffler