Asphalthelden Eventberichte

Asphalthelden Spring Break 2021

Das erhoffte wunder

Soll ich oder soll ich nicht? Lohnt es sich noch ein Event zu planen oder nicht? Nach etwa einem halben Jahr Dauerlockdown der sich aus zahlreichen Einzellockdowns mit immer weiteren fantasievollen Namensgebungen zusammen gesetzt hat und einem Jahr 2020, welches voll von Absagen und Stornierungen war, stellt sich die eine wichtige Frage: Macht es noch Sinn irgendetwas zu planen? Soll ich, darf ich oder muss ich sogar, um überleben zu können? Egal, im Frühjahr 2021 entscheide ich mich für einen Versuch. Ein einzelnes Event am Ende des ersten Halbjahres. Der Spring Break kehrt zurück und soll seine zweite Auflage erleben. Zur Sicherheit veranschlage ich Juni, im letzten Jahr „durften“ wir im Juni ja auch wieder raus. Ein Teilnehmer fragt mich: Gibt es wieder ein Ausweichdatum, so wie 2020? Ich sage: Nein, wenn wir im Juni nicht dürfen ist sowieso alles am Ende.

Wir spulen vor in den Mai. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Spring Break statt findet ist eher eine Unwahrscheinlichkeit. Draussen scheint die Sonne, ich sitze drinnen im Lockdown. Ich schreibe diese Worte nicht aus politischer Motivation, ich schreibe sie ohne Bewertung des Themas Corona, ich schreibe sie nur, damit auch Entscheidungsträger, die vielleicht noch nie richtig gearbeitet haben, weder Brot- noch Benzinpreise kennen und sich auch keine Sorge um die Miete nächsten Monat machen müssen, eventuell verstehen können, was das für den einzelnen Eventveranstalter bedeutet: Komplette Unsicherheit! Eine Bindung an Inzidenzwerte die man nicht vorhersehen kann und die sich wöchentlich ändern können bedeutet übersetzt für Hoteliers, Gastros, Museumsbesitzer und eben auch Eventveranstalter - KEINE PLANUNGSSICHERHEIT. Ich habe im letzten Jahr einen großen Teil meiner Zeit damit zugebracht „Teilnahmegebühren zurück zu überweisen und Hotels zu stornieren“. Das ist tatsächlich weder ein schöner noch ein gewinnbringender Job und spätestens wenn die Hoteliersfrau wegen einer Stornierung am Telefon in Tränen ausbricht weil auch ihr Lebenswerk gerade den Bach runter geht, ist das Ende der guten Laune auch bei mir erreicht.

Aber zurück in die Gegenwart. Kurz vor knapp wird der fast schon endlose Lockdown gelockert und wir nutzen die Chance. Das Gute an dem ganzen Thema ist, die Leute wollen unbedingt etwas machen, sie sind dankbar für alles was man anbieten kann, auch wenn es nicht ganz so perfekt ist wie sonst. Am Freitag vor Abfahrt müssen sich alle testen lassen. Jeder macht es ohne Murren und Knurren und ich selbst habe mit dem Fabian schon eine Ersatzreiseleitung bestellt, falls mein eigener Test positiv ausfallen sollte. Ist er aber zum Glück nicht. Alle sind da, alle soweit gesund. Wir treffen uns nähe meines Wohnortes bei einem Italiener zum Mittagessen. Die Wahl wurde dieses mal nicht nach bestem Blick, schönste Lage oder dem perfekten Restaurantmotto getroffen sondern nur nach dem Kriterium: Das Restaurant hat ein festes Dach im Außenbereich! Da nur Außengastro erlaubt ist und man nie weiß was der Wettergott in petto hat, bleibt das Dach nunmal das Wichtigste.

Apropos Wettergott. Wie schon 2020 hat er bescheidenes Wetter vorher gesagt. Doch der Freitag entpuppt sich als eher dampfend heiß und schwül. Ein Auto nach dem anderen tröpfelt herein. Viele kommen mit ihrem Zweit- oder Alltagsauto, da das eigentliche Hobbyfahrzeug gerade umgebaut oder repariert wird. Offensichtlich rechnet keiner mit einer Saison, wo man die Autos auch brauchen kann. Verstehe ich, ich bin auch mit meinem Daily da. Bei meinem Mustang hat sich nach einem ereignislosen Jahr 2020 und einem ereignislosem ersten Halbjahr 2021 die Batterie verabschiedet. Egal, Hauptsache man sieht sich wieder mal, kann ein bisschen mit „Menschen“ sprechen, lachen und Spaß haben.

Der Weg führt uns über gewohnt kleine Nebenstraßen durchs Fünfseenland nach Herrsching an den Ammersee. Ich habe nichts reserviert da abermals Wetter und Inzidenzwerte unvorhersehbar waren. Alle haben eine Stunde Aufenthalt zur freien Verfügung, sofern man denn endlich einen Parkplatz gefunden hat und man sieht sich evtl. an der Seepromenade. Wir sind definitiv nicht die Einzigen die offensichtlich „raus wollen“. Der See ist voll mit Sonnenhungrigen. Wir kaufen uns zu viert ein Eis und setzen uns weit ab vom Schuss auf eine kleine Mauer. Unterwegs treffen wir noch ein paar andere Mitfahrer bevor es weiter geht in Richtung Allgäu.

Wir folgen abgelegenen Straßen zuerst in Richtung Werdenfelser-Land und biegen dann ab in Richtung Allgäu, wo es bergiger und kurviger wird. Unser Hotel für das Wochenende ist „Mäsers Allgäuherz“ in Wiggensbach. Ich bekomme von Mäsers kein Geld für die Werbung aber ich schreibe das, weil es mir ein Bedürfnis ist. Die Planung mit den Hotelbesitzern war trotz der schwierigen Umstände einfach, das Hotel ist ein schönes Gebäude mit durchweg sehr gepflegtem Innenraum, schönen Zimmern, modernen Bädern und das alles auch noch geschmackvoll eingerichtet. Die Parkplatzsituation ist entspannt. Außer der hoteleigenen Tiefgarage gibt es noch einen öffentlichen Platz vor der Türe und ein Dorfparkhaus wo man für wenig Geld ebenfalls geschützt stehen kann. Nicht unwichtig für ein Autoevent. Der Höhepunkt aber ist die Freundlichkeit aller Hotelmitarbeiter, selten so etwas erlebt. Die 4 Sterne hat das Hotel für mich mehr als verdient.

Abendessen habe ich sowohl am Freitag als auch Samstag im Hotel gebucht, weil Hotelgäste auch drinnen essen dürfen und so sind alle zumindest zum Frühstück und zum Abendessen streßfrei im Trockenen. Wir bekommen einen Extrasaal, wo wir Coronasicher untergebracht sind, sozusagen. Ansonsten nimmt das Ganze ab und an so ein bisschen die Züge eines Schullandheims an. Ich glaube alle haben ein Feierdefizit. Das Hotelpersonal spielt sogar bei Streichen mit, wo gibts denn sowas?

Am nächsten Tag steht ein Ausflug ins benachbarte Bundesland auf dem Plan. Das Automuseum in Wolfegg in Baden Württemberg ist unser Ziel. Unterwegs geht es auf möglichst schönen Strecken incl. zweier der schönsten Straßen des Allgäus vorbei an zahllosen Seen und Bergen, quer durch einen der sehenswertesten Teile der Republik. Die Kaffeepause steht jedem frei, denn jeder Landkreis hat „dank Inzidenzregelung“ entweder offen oder zu, man darf draussen sitzen oder nirgends sitzen, man braucht eine Impfung oder auch keine, schlicht man weiß es nicht.
Ich hatte knapp eine Woche vorher die Routenplanung abgefahren, auch da war alles unvorhersehbar und noch schlimmer, alles war anders. Aber egal. So durfte jeder seines eigenen Glückes Schmied sein. Wir waren ganz erfolgreich, fanden ein offenes Städtchen und saßen im Kaffee am Markplatz wo wir ein nettes Stündchen verbrachten und den derzeit medial so oft thematisierten lokalen Autoposern beim cruisen zusahen. Andere waren weniger erfolgreich und fuhren bis ans Ziel um sich dann dort noch mit To-Go-Kuchen einzudecken.

Nicolas, der Mann hinter dem Automuseum Wolfegg erwartete uns bereits. Wir haben ja dort u.a. schon eine mehrteilige Talkshow zu verschiedenen Autothemen gedreht. Man kennt sich also sozusagen. Für uns hatte er einen Extraparkplatz und natürlich auch ein bisschen Zeit, um einige Anekdoten über seine Fahrzeuge und das Museum zu erzählen. Wie immer war es sehr nett und interessant. Das Museum ist einfach immer eine Reise wert.

Am Sonntag Morgen gab es noch Frühstück und dann war es schon wider vorbei. Schade eigentlich. Aber dennoch war ich auch froh. Alles ist gut gegangen, keine Coronadramen, keine Autodramen, alle happy und schließlich war es das erste Event nach der Gründung unseres neuen Asphalthelden Automobilclub e.V.! So also sitze ich Sonntag Mittag auf der Heimfahrt in Landsberg im Regen unter dem Schirm einer Eisdiele und beschäftige mich mit der einen wichtigen Frage: Soll ich dieses Jahr noch ein Event planen oder nicht?!

Text: Andreas Leffler, Bilder: Fabian Zellner, Andreas Leffler

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