Asphalthelden Eventberichte

Reparieren statt konsumieren Vol. 1

Einfach nur ganz normale Leute, Spaß und eine gute Sache!

Letztes Wochenende war es endlich soweit. Zusammen mit dem Automuseum in Wolfegg veranstalteten wir unser erstes Autotreffen zum Thema „Reparieren statt Konsumieren“ und wir waren wirklich gespannt, wie das Ganze ankommen würde. Als ich als Erster am Sonntag Morgen den noch leeren Platz betrat, standen die Vorzeichen jedoch ganz gut. Das Wetter schien zwar herbstlich, aber sonnig zu werden, das Fernsehen hatte sich angekündigt und eine Promigruppe Autoenthusiasten war ebenfalls noch im nahen Schloss unterwegs. Wie aber kam es zu „Reparieren statt Konsumieren“?

Die Antwort ist fast ein wenig traurig, jedoch eigentlich auch ganz einfach. Die Gründung des Asphalthelden Automobilcubs e.V. im laufenden Kalenderjahr hatte wie jeder eingetragene Verein ein festes Ziel vor Augen und dieses Ziel ist in unserem Fall „die Erhaltung des automobilen Kulturgutes“. Leider hat das Auto in den vergangenen Jahren medial, politisch und inzwischen dadurch auch im Kopf vieler Mitbürger einen erdrutschartigen Abstieg vom „des Deutschen liebstes Kind“ zum bösen Umweltsünder, zur Heimat von Rasern, Posern und gemeingefährlichen Halbkriminellen hinter sich. Dem würden wir gerne entgegenwirken und das aus mehrerlei Gründen.

Wenn wir die Umwelt schützen wollen, so wäre es vermutlich das Einfachste, sich auf die zwei grundlegenden Probleme unserer Welt zu konzentrieren: 1. Zu meinen Lebzeiten hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt. 2. Konsum wurde zu einer Ersatzreligion der westlichen Welt - heute bestellt, morgen geliefert und Punkt. Thematisiert werden allerdings genau diese beiden Punkte nicht. Ganz im Gegenteil, täglich werden wir zu mehr Konsum verleitet und selbst der billigste Werbespot für ein noch so unscheinbares Produkt erhebt inzwischen den selbstgerechten Anspruch an die Weltenrettung. Die bessere Welt entsteht natürlich immer nur dann, wenn wir auch das kaufen, was wir kaufen sollen. Dabei wäre es so einfach zu sparen und Ressourcen zu schonen, indem man alte Dinge aufbraucht, das betrifft den alten Fernseher, der vielleicht noch kein 3D oder gar Full-HD kann, die geflickte Jeans und das Handy von vor drei Jahren ebenso wie das Auto. Und hier sind wir schließlich beim heutigen Thema!
Ein Thema, welches offensichtlich viele Menschen interessiert und das, obwohl wir Corona bedingt nur wenige Plätze ausgeschrieben haben. Unser jüngster Gast war 3 Monate alt, unser ältester Gast war 82 Jahre. Beide sind übrigens nicht selbst gefahren, dennoch waren sie da. Keine Versammlung von „Autospinnern, Rasern und Posern", wie sie so gerne medial zitiert wird, sondern ein Querschnitt durch die Bevölkerung. Frauen, Männer, Familien, Kinder, Rentner, Geschäftsleute, Arbeiter und Angestellte. Alle vereint im sicheren Glauben, dass das Auto auch morgen noch eine Zukunft hat.

Und ebenso unterschiedlich wie die Gästeliste war, so unterschiedlich waren auch die Fahrzeuge. Serienfahrzeuge, Tuningautos, Ratten, Youngtimer, Oldtimer, die etwa 30 bis 50 Jahre auf dem Buckel hatten, und Wägen, die gerade erst das fürs Event geforderte Mindestalter von 10 Jahren überschritten hatten, standen einträchtig beieinander. Am wenigsten Kilometer hatte ein Mercedes von 1991, der hatte nämlich erst knappe 12.000 auf der Uhr. Auf der anderen Seite gab es Fahrzeuge wie z.B. den BMW X5 der ersten Generation von KFZ-Eggstein in Augsburg. Mit guten 330.000 Kilometern Laufleistung hatte er wirklich schon einiges hinter sich. 330.000 Kilometer, die ein einzelner Wagen Menschen transportierte und ja, es ist ein ach so böses SUV, aber selbiges kann fünf Personen transportieren, es kann Menschen in den Urlaub, zur Arbeit und zur kranken Tante bringen - und genau dies macht der Wagen seit knapp zwei Jahrzehnten. Und jetzt soll er nicht mehr in so manche Innenstadt dürfen? Jetzt soll er draußen bleiben, verschrottet werden, ins Ausland verschachert werden im Namen der Weltenrettung, damit er woanders weiter tackert, oder eher im Namen des ewigen Konsums?

Ich selbst war mit meinem Alltagswagen da, einem Audi S5. Klingt schnell und durstig, aber der Wagen wird nächstes Jahr 12. Das bedeutet auch, so mancher Konsumgläubige hat sich in der gleichen Zeit 4 Leasingwägen in der normalen dreijährigen Leasingspirale der immer währenden Besitzlosigkeit bauen lassen. Wer nun glaubt, dass der Audi ein größerer Umweltsünder ist als vier komplette Neuwägen zusammen, egal ob Stromer, Hybrid oder Verbrenner, der glaubt auch ans Christkind und den Osterhasen in Personalunion.
Versteht mich nicht falsch, Neuwagenkauf ist kein Verbrechen, ebensowenig wie der Besitz von alten Fahrzeugen. Aber wenn man glaubt, man würde mit dem Konsum von immer neueren Dingen die Umwelt retten, während man bejubelt, wenn Altes verteuert und verteufelt wird, dann stimmt da etwas nicht. Gerade Autos aus den 2000er Jahren sind heute noch oft komplett alltagstauglich ohne große Macken und ohne große Abstriche in der Fahrsicherheit. Für uns gilt das Motto „leben und leben lassen“, jedoch wird der Markt alleine durch die drei Eckpfeiler „Benzinpreis, Kfz-Steuer und Bußgeldkatalog“ bereinigt und die alten, verdienten Autos, die uns noch viele Jahre gute Dienste leisten könnten, werden aufs Abstellgleis geschoben, verschrottet oder ins Ausland verbannt, während wir mehr oder weniger gezwungen werden, neu zu kaufen. Dabei ist es nicht immer die „Liebe zum Auto“, die Besitzer dazu verleitet, ihren Alten zu behalten: Es soll tatsächlich Menschen geben, die sich keinen neuen kaufen können, auch wenn Politiker mit sicheren Gehältern, in für Normalsterbliche kaum erreichbaren Höhen dies offensichtlich nicht verstehen. Gerade aktuell wird für viele von uns alleine die Fahrt zur Tankstelle zu einem Gang nach Canossa, wo wir unser letztes Erspartes hinbringen, nur um noch in die Arbeit oder in den Supermarkt fahren zu können. Schöne neue Welt!

Unter dem Strich werden auch wir diese Welt vielleicht nicht ändern, aber wir werden versuchen, auch weiterhin Aufmerksamkeit auf dieses höchst sensible Thema zu lenken. Insofern danke ich ganz besonders dem Nicolas vom Automuseum Wolfegg für die Zusammenarbeit. Alleine der Gang ins Museum hat das Treffen zu etwas ganz Besonderem gemacht, zumal nicht wenige andächtig vor der am Morgen angelieferten Zeitmaschine - einem DeLorean im „Zurück in die Zukunft Stil“ - standen und sich zurück wünschten, in eine bessere, vernünftigere oder vielleicht auch nur einfachere Welt.

Ich danke natürlich auch allen unseren Vereinsmitgliedern und den tollen Gästen. Leute vom VW Team Oberschwaben kamen z.B. mit Golf 1,2 und 3, eine wunderschöne Reihe und perfekt passend für das Event. Natürlich waren auch unsere Freunde vom Tuning Team Altmühltal wieder mit dabei, Dave, der Veranstalter vom Audi R8 Stammtisch, ein paar tolle Fotografen wie der Markus von S&B Fotos oder unser Fabian und natürlich Ray von Rayscar, einem unserer Partnerunternehmen, der für seinen eigenen Kanal eine kleine Reportage filmte. Am Ende konnten noch einige Gäste an der SWR Sendung zum Thema „junge Menschen, alte Autos“ die direkt vor Ort gedreht wurde, teilnehmen.

Alles in allem also ein sehr gelungenes Event mit wirklich großartigen Leuten. Schön auch, dass wir von einigen Passanten im Schlosspark so viel positives Feedback erhielten. Unvergesslich wie sich ein älterer Herr mit Rollator von Auto zu Auto kämpfte, um sich die ausgestellten Schätzchen genauer anzuschauen, oder wie sich Kinder freuten, als Dave einmal seinen R8 für sie startete. Ein schöner Tag für jung und alt eben und ich habe gehört, nächstes Jahr gehts weiter!
Text: Andreas Leffler, Bilder: Andreas Leffler, Fabian Zellner

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Unser Jahreshighlight!

Der Club, das Magazin und der Summercruise

Über Wetter, Corona und die mal wieder kurzfristig eingeführten Sonderregelungen die jeden Eventveranstalter in den Wahnsinn und gerne auch mal in den Ruin treiben brauche ich gar nicht mehr schreiben. Schreiben wir lieber über Erfreuliches: Der Asphalthelden Automobilclub wurde gegründet, das Asphalthelden Jahresheft ist erschienen und wir feiern all dies mit einer Rundfahrt durch Niederbayern von einem unserer langjährigen Partner zum anderen. Aber beginnen wir am Anfang!

Es ist Sonntag Morgen und düstere Stille liegt über dem Land. Die Wollken hängen tief und der Sommer der gar nie so richtig angefangen hatte, neigt sich mit schnellen Schritten schon wieder dem Ende. Die Wettervorhersage ist eine einzige Katastrophe aber, um das Wichtigste vorweg zu nehmen, so schlimm kam es dann gar nicht. Irgendwo treffen sich kleine Grüppchen von Autoliebhabern und Tunern an Parkplätzen oder Tankstellen, um zusammen zu unserem Treffpunkt zu fahren. Drei Autos hier, zwei Autos da, Morgens halb Sieben in Deutschland. Die Anfahrt aus der Gegend um München, wo die Meisten herkommen ist weit und ein Umweg über Österreich, wo Benzin noch nicht mit der x-ten Märchensteuer das Weltklima rettet, ist verlockend. Wir erreichen schließlich etwa eine halbe Stunde zu früh den Sammelpunkt, unsere langjährige Partnerwerkstatt K-City-Cars in Hutthurm-Kalteneck bei Passau. Überraschend sind wir nicht die Ersten. Michi und Francis von K-City Cars haben ein wunderbares Kuchen und Frühstücksbuffet angerichtet, der neue Showroom glänzt und Platz wurde auch geschaffen, Platz für die Vorstellung des brandneuen Asphalthelden Magazins.

Das Magazin entstand zusammen mit der Gründung des Asphalthelden Automobilclubs e.V. und jeder kann es direkt bei uns bestellen. Aber für die Vereinsmitglieder ist es kostenfrei. Ein Jahr lang haben wir automobile Geschichten gesammelt, Träume in Blech, alte Autos, neue Autos, Youngtimer und Oldtimer. Der neue Supra in drei Varianten, Hyundai i30N, Dodge Challenger Hellcat, BMW Z4 E85/E86, ein Tag unterwegs im 68er Mustang Fastback, Ford Ranger Raptor Serie & Tuning,  Asphalthelden Teamcars im Vergleich, der Mercedes /8 und eine Oldtimer Kaufberatung sowie der neue und heiß diskutierte Mustang Mach-E. Vor allem aber haben wir Fragen gestellt: Rettet man die Welt durch immer neuen Konsum oder doch eher durch das Aufbrauchen von bereits produzierten Dingen? Warum gibt es ständig neue Steuern anstatt die Leute zu belohnen die eben jene alten Dinge aufbrauchen und sich vielleicht ja auch gar nichts Neues leisten können? Was sagt die Entwicklung der Autowerbung der letzten Jahrzehnte über unsere jetzige Gesellschaft aus und welche Erfahrungen haben unsere Partnerwerkstätten mit den Themen TÜV, Tuning und Polizei gemacht? Ich glaube sagen zu können, dass wir ein wirklich sehr schönes Jahresheft mit vielen Autothemen die uns alle bewegen auf die Beine gestellt haben.

So verliefen auch Frühstück und die anschließende Magazinpräsentation bei K-City Cars sehr erfolgreich. Alle waren guter Dinge und letztendlich gibt es bei K-City Cars ja auch noch einen Stützpunkt des Gasolina Klamottenlabels, was einige zum Einkauf verführte.

Pünktlich um 11 waren wir dann wieder auf der Straße. Jeder fuhr, wie bei uns üblich, sein eigenes Tempo. Ich selbst war mit zwei Mustang und einem Camaro im Schlepptau unterwegs. Die zwei Stunden Fahrzeit vergingen im Flug und das Roadbook hätte fast perfekt funktioniert, wenn nicht kurz vor dem Ziel wieder eine neue Umleitung aufgetaucht wäre. Aber auch das war nur ein drei Minuten Problem.

Am Ziel in Cham hatten unser Covergirl Linda (Insta: racing_lynn) für alle Plätze im Fishermanz gebucht. Eine wirklich empfehlenswertes Restaurant mit netter Bedienung, leckerem Essen, großen Portionen und zivilen Preisen. Parken kann man direkt nebenan im ebenerdigen Parkhaus für kleines Geld. Und ab hier begleitete uns dann auch ein Kamerateam von der Mittelbayerischen. Die Jungs waren sehr sympathisch und freundlich und berichteten über unser Hobby, den Verein, das Magazin und vor allem über unsere Linda als Covergirl aus ihrer Heimatregion.

Gut genährt uns erholt ging es schließlich zum letzten Punkt unserer Reise, der Tuning und Wheels GmbH von Andreas Petschko, auch einem langjährigen Partner. Die Bierbänke standen bereit, der Kaffee war heiß, die anderen Getränke kalt und der Kuchen lecker. Es wurde noch viel gefilmt und fotografiert, die Clubmitglieder bekamen ihre Magazine und Mitgliedskarten (mit deren Hilfe man auch Rabatte bei unseren Partnerunternehmen bekommt) und natürlich gab es auch ein paar Neumitglieder. Irgendwann klang der Abend dann langsam aus und einer nach dem anderen machte sich auf den Heimweg. Unisono waren alle der Meinung, ein toller Tag in einem komischen Jahr. In diesem Sinne - wir freuen uns aufs nächste Event mit euch!

Vielen Dank auch an alle Partner, die den Verein unterstützen: K-City-Cars, Tuning & Wheels Gmbh, Velocity Group, Gebäudetechnik Maday, DZ Design, Hansgemacht und Rayscar. Außerdem sagen wir Danke an alle, die Fahrzeuge fürs Magazin zur Verfügung gestellt haben oder anderweitig daran mitgewirkt haben.
Text: Andreas Leffler  Bilder: Andreas Leffler, Fabian Zellner, Linda Bretzner, Andreas Petschko


Asphalthelden Spring Break 2021

Das erhoffte wunder

Soll ich oder soll ich nicht? Lohnt es sich noch ein Event zu planen oder nicht? Nach etwa einem halben Jahr Dauerlockdown der sich aus zahlreichen Einzellockdowns mit immer weiteren fantasievollen Namensgebungen zusammen gesetzt hat und einem Jahr 2020, welches voll von Absagen und Stornierungen war, stellt sich die eine wichtige Frage: Macht es noch Sinn irgendetwas zu planen? Soll ich, darf ich oder muss ich sogar, um überleben zu können? Egal, im Frühjahr 2021 entscheide ich mich für einen Versuch. Ein einzelnes Event am Ende des ersten Halbjahres. Der Spring Break kehrt zurück und soll seine zweite Auflage erleben. Zur Sicherheit veranschlage ich Juni, im letzten Jahr „durften“ wir im Juni ja auch wieder raus. Ein Teilnehmer fragt mich: Gibt es wieder ein Ausweichdatum, so wie 2020? Ich sage: Nein, wenn wir im Juni nicht dürfen ist sowieso alles am Ende.

Wir spulen vor in den Mai. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Spring Break statt findet ist eher eine Unwahrscheinlichkeit. Draussen scheint die Sonne, ich sitze drinnen im Lockdown. Ich schreibe diese Worte nicht aus politischer Motivation, ich schreibe sie ohne Bewertung des Themas Corona, ich schreibe sie nur, damit auch Entscheidungsträger, die vielleicht noch nie richtig gearbeitet haben, weder Brot- noch Benzinpreise kennen und sich auch keine Sorge um die Miete nächsten Monat machen müssen, eventuell verstehen können, was das für den einzelnen Eventveranstalter bedeutet: Komplette Unsicherheit! Eine Bindung an Inzidenzwerte die man nicht vorhersehen kann und die sich wöchentlich ändern können bedeutet übersetzt für Hoteliers, Gastros, Museumsbesitzer und eben auch Eventveranstalter - KEINE PLANUNGSSICHERHEIT. Ich habe im letzten Jahr einen großen Teil meiner Zeit damit zugebracht „Teilnahmegebühren zurück zu überweisen und Hotels zu stornieren“. Das ist tatsächlich weder ein schöner noch ein gewinnbringender Job und spätestens wenn die Hoteliersfrau wegen einer Stornierung am Telefon in Tränen ausbricht weil auch ihr Lebenswerk gerade den Bach runter geht, ist das Ende der guten Laune auch bei mir erreicht.

Aber zurück in die Gegenwart. Kurz vor knapp wird der fast schon endlose Lockdown gelockert und wir nutzen die Chance. Das Gute an dem ganzen Thema ist, die Leute wollen unbedingt etwas machen, sie sind dankbar für alles was man anbieten kann, auch wenn es nicht ganz so perfekt ist wie sonst. Am Freitag vor Abfahrt müssen sich alle testen lassen. Jeder macht es ohne Murren und Knurren und ich selbst habe mit dem Fabian schon eine Ersatzreiseleitung bestellt, falls mein eigener Test positiv ausfallen sollte. Ist er aber zum Glück nicht. Alle sind da, alle soweit gesund. Wir treffen uns nähe meines Wohnortes bei einem Italiener zum Mittagessen. Die Wahl wurde dieses mal nicht nach bestem Blick, schönste Lage oder dem perfekten Restaurantmotto getroffen sondern nur nach dem Kriterium: Das Restaurant hat ein festes Dach im Außenbereich! Da nur Außengastro erlaubt ist und man nie weiß was der Wettergott in petto hat, bleibt das Dach nunmal das Wichtigste.

Apropos Wettergott. Wie schon 2020 hat er bescheidenes Wetter vorher gesagt. Doch der Freitag entpuppt sich als eher dampfend heiß und schwül. Ein Auto nach dem anderen tröpfelt herein. Viele kommen mit ihrem Zweit- oder Alltagsauto, da das eigentliche Hobbyfahrzeug gerade umgebaut oder repariert wird. Offensichtlich rechnet keiner mit einer Saison, wo man die Autos auch brauchen kann. Verstehe ich, ich bin auch mit meinem Daily da. Bei meinem Mustang hat sich nach einem ereignislosen Jahr 2020 und einem ereignislosem ersten Halbjahr 2021 die Batterie verabschiedet. Egal, Hauptsache man sieht sich wieder mal, kann ein bisschen mit „Menschen“ sprechen, lachen und Spaß haben.

Der Weg führt uns über gewohnt kleine Nebenstraßen durchs Fünfseenland nach Herrsching an den Ammersee. Ich habe nichts reserviert da abermals Wetter und Inzidenzwerte unvorhersehbar waren. Alle haben eine Stunde Aufenthalt zur freien Verfügung, sofern man denn endlich einen Parkplatz gefunden hat und man sieht sich evtl. an der Seepromenade. Wir sind definitiv nicht die Einzigen die offensichtlich „raus wollen“. Der See ist voll mit Sonnenhungrigen. Wir kaufen uns zu viert ein Eis und setzen uns weit ab vom Schuss auf eine kleine Mauer. Unterwegs treffen wir noch ein paar andere Mitfahrer bevor es weiter geht in Richtung Allgäu.

Wir folgen abgelegenen Straßen zuerst in Richtung Werdenfelser-Land und biegen dann ab in Richtung Allgäu, wo es bergiger und kurviger wird. Unser Hotel für das Wochenende ist „Mäsers Allgäuherz“ in Wiggensbach. Ich bekomme von Mäsers kein Geld für die Werbung aber ich schreibe das, weil es mir ein Bedürfnis ist. Die Planung mit den Hotelbesitzern war trotz der schwierigen Umstände einfach, das Hotel ist ein schönes Gebäude mit durchweg sehr gepflegtem Innenraum, schönen Zimmern, modernen Bädern und das alles auch noch geschmackvoll eingerichtet. Die Parkplatzsituation ist entspannt. Außer der hoteleigenen Tiefgarage gibt es noch einen öffentlichen Platz vor der Türe und ein Dorfparkhaus wo man für wenig Geld ebenfalls geschützt stehen kann. Nicht unwichtig für ein Autoevent. Der Höhepunkt aber ist die Freundlichkeit aller Hotelmitarbeiter, selten so etwas erlebt. Die 4 Sterne hat das Hotel für mich mehr als verdient.

Abendessen habe ich sowohl am Freitag als auch Samstag im Hotel gebucht, weil Hotelgäste auch drinnen essen dürfen und so sind alle zumindest zum Frühstück und zum Abendessen streßfrei im Trockenen. Wir bekommen einen Extrasaal, wo wir Coronasicher untergebracht sind, sozusagen. Ansonsten nimmt das Ganze ab und an so ein bisschen die Züge eines Schullandheims an. Ich glaube alle haben ein Feierdefizit. Das Hotelpersonal spielt sogar bei Streichen mit, wo gibts denn sowas?

Am nächsten Tag steht ein Ausflug ins benachbarte Bundesland auf dem Plan. Das Automuseum in Wolfegg in Baden Württemberg ist unser Ziel. Unterwegs geht es auf möglichst schönen Strecken incl. zweier der schönsten Straßen des Allgäus vorbei an zahllosen Seen und Bergen, quer durch einen der sehenswertesten Teile der Republik. Die Kaffeepause steht jedem frei, denn jeder Landkreis hat „dank Inzidenzregelung“ entweder offen oder zu, man darf draussen sitzen oder nirgends sitzen, man braucht eine Impfung oder auch keine, schlicht man weiß es nicht.
Ich hatte knapp eine Woche vorher die Routenplanung abgefahren, auch da war alles unvorhersehbar und noch schlimmer, alles war anders. Aber egal. So durfte jeder seines eigenen Glückes Schmied sein. Wir waren ganz erfolgreich, fanden ein offenes Städtchen und saßen im Kaffee am Markplatz wo wir ein nettes Stündchen verbrachten und den derzeit medial so oft thematisierten lokalen Autoposern beim cruisen zusahen. Andere waren weniger erfolgreich und fuhren bis ans Ziel um sich dann dort noch mit To-Go-Kuchen einzudecken.

Nicolas, der Mann hinter dem Automuseum Wolfegg erwartete uns bereits. Wir haben ja dort u.a. schon eine mehrteilige Talkshow zu verschiedenen Autothemen gedreht. Man kennt sich also sozusagen. Für uns hatte er einen Extraparkplatz und natürlich auch ein bisschen Zeit, um einige Anekdoten über seine Fahrzeuge und das Museum zu erzählen. Wie immer war es sehr nett und interessant. Das Museum ist einfach immer eine Reise wert.

Am Sonntag Morgen gab es noch Frühstück und dann war es schon wider vorbei. Schade eigentlich. Aber dennoch war ich auch froh. Alles ist gut gegangen, keine Coronadramen, keine Autodramen, alle happy und schließlich war es das erste Event nach der Gründung unseres neuen Asphalthelden Automobilclub e.V.! So also sitze ich Sonntag Mittag auf der Heimfahrt in Landsberg im Regen unter dem Schirm einer Eisdiele und beschäftige mich mit der einen wichtigen Frage: Soll ich dieses Jahr noch ein Event planen oder nicht?!

Text: Andreas Leffler, Bilder: Fabian Zellner, Andreas Leffler

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Das Buch zur Reise quer durch die USA
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